Ärzte Zeitung, 24.03.2005

Pille: Kaum Zusatzeffekte von Gestagenen

Pharmakologe: Für deutliche Effekte etwa auf Haut oder Libido sind Gestagene in Kontrazeptiva zu niedrig dosiert

DÜSSELDORF (grue). Die in hormonalen Kontrazeptiva enthaltenen Gestagene sind in erster Linie für den Empfängnisschutz wichtig. Darüber hinausgehende Zusatzeffekte, etwa auf Haut oder Libido, seien meist klinisch kaum nachzuweisen, sagt Professor Herbert Kuhl aus Frankfurt am Main.

Die Anti-Baby-Pillen enthalten alle dasselbe Östrogen, wenn auch in unterschiedlicher Dosierung. Sie unterscheiden sich aber in Art und Dosierung des Gestagens. Insgesamt 17 Gestagene mit verschiedener Struktur und Rezeptorbindungsverhalten listet etwa der Zürcher Gesprächskreis auf, ein Gremium aus sechs gynäkologischen Experten.

Außer der kontrazeptiven Wirkung wurden in vitro und in Tierversuchen auch androgene, glukokortikoide und mineralokortikoide Aktivitäten der Gestagene nachgewiesen. Das hat der Frankfurter Gynäkologe und Pharmakologe bei einer Veranstaltung des Unternehmens Wyeth in Düsseldorf erläutert. Diese experimentellen Befunde seien aber nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragbar, sagte Kuhl.

Außerdem: In handelsüblichen Präparaten sind nach Angaben des Experten zu wenig Gestagene, um deren Effekte auf Libido, Haut und Gewicht richtig nutzen zu können. Und die androgene Aktivität eines Gestagens werde normalerweise vom Östrogen kompensiert, sagte Kuhl.

Bei der Pillenverschreibung sollte vor allem nach dem Prinzip "soviel wie nötig, sowenig wie möglich" vorgegangen werden. Folglich seien für die meisten Frauen Präparate mit geringem Östrogen- und Gestagengehalt zu bevorzugen. Besonders niedrige Hormonmengen enthält etwa Leios® mit 20 Mikrogramm Ethinylestradiol und 100 Mikrogramm Levonorgestrel. Das ausgewogene Hormonverhältnis sorgt für eine gute Verträglichkeit, wobei der geringe Östrogenanteil den aktuellen Empfehlungen der Experten entspricht.

Topics
Schlagworte
Gynäkologie (5491)
Organisationen
Wyeth (342)
Krankheiten
Kontrazeption (987)
Wirkstoffe
Ethinylestradiol (75)
Levonorgestrel (87)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »