Ärzte Zeitung, 20.04.2005

Moderne Fertilitätstherapie ist kostengünstiger

Rekombinante Hormone erhöhen im Vergleich zu Hormonen aus dem Urin die Chancen auf eine Mutterschaft

MÜNCHEN (wst). In der Fertilitätsbehandlung von Frauen ist die ovarielle Stimulation mit Gonadotropinen von zentraler Bedeutung. Wird dabei ein modernes, gentechnisch hergestelltes humanes follikelstimulierendes Hormon (r-hFSH) genutzt, sind die Chancen auf eine Mutterschaft pro Zyklus mehr als 16 Prozent höher als bei Verwendung eines herkömmlichen, aus dem Urin von Frauen in der Menopause gewonnenen Gonadotropins.

Dies ist ein auch ökonomisch bedeutsames Ergebnis einer großen prospektiven Beobachtungsstudie, die Privatdozent Dr. Michael Ludwig vom Endokrinologikum Hamburg auf einer Pressekonferenz des Unternehmens Serono in München vorgestellt hat.

Wie Ludwig ausführte, wurden für die Studie 24 764 Behandlungszyklen mit assistierten Reproduktionstechniken (IVF und ICSI) herangezogen, die von 74 deutschen reproduktionsmedizinischen Zentren zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2002 dokumentiert und gemeldet worden waren.

Zur ovariellen Stimulation hatten die Frauen entweder r-hFSH (19 008 Zyklen), das vom Unternehmen als Gonal-f™ angeboten wird, oder ein herkömmliches humanes Menopausengonadotropin (u-hMG, 5756 Zyklen) aus dem Urin erhalten. Primäre Endpunkte der Studie waren die Lebendgeburtenrate pro Zyklus sowie der Substanzverbrauch pro Zyklus, pro Schwangerschaft und pro Geburt.

Mit 16,9 versus 14,5 Prozent war die Geburtenrate pro Zyklus unter r-hFSH signifikant höher als unter u-hMG. Der relative Unterschied betrug hier immerhin 16,6 Prozent.

Bei den mit r-hFSH versorgten Frauen wurden im Schnitt 31 Ampullen zu 75 IE verbraucht, bei den mit u-hMG behandelten Frauen 37,7 Ampullen zu 75 IE. Pro Schwangerschaft oder pro Geburt waren im Schnitt 150 oder 245,3 Ampullen u-hMG oder aber nur 116,8 beziehungsweise 175,8 Ampullen r-hFSH erforderlich.

Je Geburt sei damit mit dem älteren im Vergleich zum neueren Präparat ein Mehrverbrauch an Gonadotropinen um immerhin 39,5 Prozent verbunden gewesen, so Ludwig.

Und obwohl mit einem durchschnittlichen Apothekenverkaufspreis von 42,17 versus 33,70 Euro pro Ampulle das rekombinante Präparat deutlich teuerer erscheint als das urinäre, erwies es sich dank des reduzierten Bedarfs in der Praxis dann doch als die kostengünstigere Alternative.

Denn in der vorliegenden Untersuchung wurden pro Lebendgeburt für die ovarielle Stimulation mit u-hMG Durchschnittskosten von 8266,61 Euro errechnet, bei der Verwendung von r-hFSH dagegen nur 7413,49 Euro..

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