Ärzte Zeitung, 16.06.2005

Entwicklung von Impfstoffen gegen Zervixkarzinom kommt voran

Vakzine-Zulassung in spätestens zwei Jahren erwartet / Antikörper gegen Papillomaviren

HANNOVER (grue). Derzeit werden zwei Impfstoffe zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs klinisch erprobt. Die Vakzinen, die in ein bis zwei Jahren auf den Markt kommen sollen, verhindern Infektionen mit humanen Papillomaviren (HPV).

Transmissions-elektronenmikroskopische Aufnahme von humanen Papillomaviren. Krebsauslösend sind vor allem Typ 16 und Typ 18. Fotos (2): Professor Thomas Iftner

Nach der Impfung bilden sich neutralisierende Antikörper, die fast immer eine Infektion mit den krebsauslösenden HPV-Typen 16 und 18 verhindern. Dadurch sind geimpfte Frauen vor zervikalen intra-epithelialen Neoplasien (CIN), also vor Krebsvorstufen geschützt und vermutlich auch vor Zervix-Karzinomen, was sich in der Langzeitbeobachtung von vielen Geimpften zeigen wird. Bei etwa 70 Prozent aller Patienten mit Zervix-Karzinomen lassen sich die HPV-Typen 16 und/oder 18 nachweisen. Die übrigen Karzinome werden durch andere Virus-Typen ausgelöst.

Zellen eines mikroinvasiven Zervix-Karzinoms mit positivem Virustest für HPV.

Mit der Zulassung der Vakzinen sei innerhalb der nächsten zwei Jahre zu rechnen, sagte Professor Lutz Gissmann vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg beim HPV-Kongreß 2005 in Hannover. Für den Vierfachimpfstoff Gardasil™ von Sanofi-Pasteur MSD soll noch in diesem Jahr die europäische Zulassung beantragt werden. Die Vakzine richtet sich zusätzlich gegen die HPV-Typen 6 und 11, die Genitalwarzen auslösen können.

Der zweite Impfstoff, der gegen die HPV-Typen 16 und 18 gerichtet ist, kommt von GlaxoSmithKline. Er werde vermutlich etwas später den europäischen Behörden zur Zulassung vorgelegt, sagte Gissmann.

Geimpft würden dann vorzugsweise Mädchen zwischen zehn und fünfzehn Jahren, und zwar dreimal im Abstand von einigen Monaten. Dadurch werden für mindestens vier Jahre hohe Antikörpertiter erzielt. Vermutlich sei aber auch nach zehn Jahren noch keine auffrischende Impfung nötig.

Gissmann wies darauf hin, daß diese klassischen Impfstoffe eine Erkrankung bei Frauen mit persistierender HPV-Infektion nicht verhindern können. Um diesen Frauen zu helfen, werden neue Immuntherapien entwickelt. Sie richten sich gegen Oberflächenmoleküle der HPV und stimulieren die T-Zell-Antwort. "Womöglich lassen sich auch chimäre Impfstoffe herstellen, die primär vor einer HPV-Infektion schützen und bei bereits infizierten Frauen die Immunantwort verstärken", so Gissmann.

Auch für Frauen mit höhergradigen CIN-Läsionen könnte die Immuntherapie eine neue Therapieoption sein, meinte der Forscher. In ersten Studien war aber nicht zu erkennen, ob die verstärkte Immunantwort häufiger zu einer Gewebsheilung führt.

Noch weiter entfernt ist die Immuntherapie für Frauen mit nachgewiesenem Zervix-Ca. Hier werde die Vakzinierung wohl nur als adjuvante Behandlung in Kombination mit einer Standardtherapie in Frage kommen, so Gissmann.

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