Ärzte Zeitung, 01.09.2005

Plädoyer für Jod-Prophylaxe bei Schwangeren

Nur jede vierte Schwangere bekommt Jodid / Stillende sollten Jod weiternehmen / Deutschland ist Mangelgebiet

BADEN-BADEN (KHS). Nur etwa 25 Prozent der Schwangeren ohne Schilddrüsenbefund bekommen Jodid - ein Skandal, meint Professor Otto Albrecht Müller aus München. Denn die Jod-Prophylaxe ist nicht nur für die Mutter, sondern auch für die Entwicklung der Schilddrüse des Fetus von großer Bedeutung.

Schwangere, aber auch stillende Frauen sollten ausreichend mit Jod versorgt werden, damit sie und ihr Kind gesund bleiben. Foto: Archiv

Müller, der Chefarzt im Rotkreuz-Krankenhaus in München ist, hält zwar nichts davon, wie verschiedentlich propagiert werde, bereits Säuglingen Jodid direkt zu verabreichen. Jedoch sollte nach seiner Ansicht eine Prophylaxe ungefähr im Einschulungsalter gemacht werden, "jedenfalls deutlich vor der Pubertät".

Und besonders eben in der Schwangerschaft, in der Frauen mehr Jod über den Urin ausscheiden als sonst. Da-ran erinnerte Müller beim 32. Seminarkongreß für ärztliche Fort- und Weiterbildung in Baden-Baden.

"Zum Glück" gebe es mehrere Kombinationspräparate, die bei Gynäkologen recht beliebt seien, etwa Folsäure mit 200 µg Jodid. Allerdings müsse man aufpassen, daß nicht überdosiert werde: 400 µg Jodid täglich über etwa sieben Monate gegeben hält Müller bei Schwangeren für zuviel. Müller empfahl, daß stillende Mütter weiter Jodid einnehmen sollten, weil auch die Säuglinge via Muttermilch davon profitierten.

Bei der Hyperthyreose in der Schwangerschaft würde Müller hingegen eine Jodid-Prophylaxe nur machen, wenn der behandelnde Arzt die Schilddrüsenfunktionsstörung der Mutter "im Griff" habe. Dann könne man "die 200 µg riskieren." Das sei ja keine Dosis, mit der man eine Jod-induzierte Hyperthyreose erzeugen könne. Bei einer floriden Hyperthyreose solle Jodid keinesfalls eingenommen werden.

Müller legte Wert auf die Feststellung, daß Deutschland bis auf wenige Regionen nach wie vor ein Jodmangelgebiet sei. Er bedauerte, daß es in Deutschland keine gesetzlich verankerte Jod-Prophylaxe gebe, wie es in der DDR der Fall gewesen sei. Dort sei eine ausgezeichnete Jod-Prophylaxe gemacht worden. Umso positiver sei es, daß in Deutschland in gut 80 Prozent der Haushalte jodiertes Speisesalz verwendet werde.

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