Ärzte Zeitung, 23.03.2006

Mädchen-Sprechstunde erleichtert Gang zum Arzt

Extra-Angebot soll Hemmschwelle senken / Mädchen können Themen ansprechen, die ihnen am Herzen liegen

DÜSSELDORF (ars). Die Initiative Mädchen-Sprechstunde will Gynäkologen dabei unterstützen, ein spezielles Beratungsangebot für Teenager zu schaffen. Das Ziel besteht darin, bei den Jugendlichen die Hemmschwelle für den Besuch beim Gynäkologen zu senken und ihnen die Möglichkeit zu geben, über Themen wie körperliche Entwicklung, Sexualität und Verhütung zu sprechen.

Ein Kollege berät eine junge Patientin. Eine spezielle Sprechstunde bietet die Gelegenheit, besonders gut auf die Mädchen einzugehen. Foto: Ärztekammer Rheinland-Pfalz

Außerdem soll die Sprechstunde dazu beitragen, bei jungen Mädchen die Zahl der ungewollten Schwangerschaften zu verringern. Wissenschaftlich unterstützt wird die Initiative von der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau (ÄGGF).

Ein solches spezielles Angebot bietet den Gynäkologen die Chance, besser auf die Mädchen einzugehen, als dies während der Routinesprechstunde möglich ist. "Wenn ich den Mädchen einen ganzen Nachmittag widme, kann ich mich mehr in ihre Gedankenwelt hineinfinden", berichtete Dr. Ingeborg Voß-Heine bei einem Symposium von Grünenthal in Düsseldorf.

Die Frauenärztin aus Werl, die in ihrer Praxis selbst eine Mädchen-Sprechstunde eingerichtet hat, empfahl, die Sprechstunde zumindest teilweise offen und nicht als reine Bestellpraxis zu gestalten. Damit haben die Mädchen Gelegenheit, auch spontan zu kommen, wenn sie Schwierigkeiten haben, zum Beispiel wenn sie nach ungeplanten sexuellen Aktivitäten Angst vor einer Schwangerschaft bekommen.

Wichtig sei es, die Praxishelferinnen mit den psychologischen und juristischen Aspekten vertraut zu machen, damit sie für eine harmonische Atmosphäre sorgen, den Mädchen die Unsicherheit nehmen, Abläufe erklären und Wartezeiten überbrücken können.

Der Hinweis auf die ärztliche Schweigepflicht schafft emotionale Sicherheit und erleichtert es den Mädchen, ihre Probleme anzusprechen. Weiterhin regte Voß-Heine dazu an, das Augenmerk auf Impfungen zu richten, denn zwei Drittel der Jugendlichen hätten Impflücken.

Um die Sprechstunde bekannt zu machen, eignen sich nach ihrer Aussage Hinweise auf der Praxis-Homepage, Ansagen in der Telefon-Warteschleife oder Poster in der Praxis, durch die Mütter auf das Angebot aufmerksam werden. "Die Mütter sind sehr dankbar, wenn ihre Töchter eine solche Möglichkeit der Beratung haben", so die Gynäkologin.

Das Unternehmen Grünenthal bietet eine Infotalk-Ringmappe mit Schautafeln für die Sprechstunde, eine Infotalk-CD mit einer Präsentation für Schulklassen oder Gruppen-Nachmittage in der Praxis, außerdem Vorlagen zum Ausdrucken von Postern und Handzetteln.

Weitere Infos: Initiative Mädchen-Sprechstunde, 52099 Aachen, Tel.: 0241/569-1111, Fax: 0241/569-1112, E-Mail: maedchensprechstunde@grunenthal.de

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