Direkt zum Inhaltsbereich

Schwangerschaft nach Chemo und Bestrahlung

BERLIN/MÜNCHEN (wst). Erkranken Mädchen oder junge Frauen an Krebs, ist ihre Fruchtbarkeit durch Chemo- und Strahlentherapie gefährdet. In den letzen Jahren wurden jedoch mehrere Verfahren entwickelt, um selbst nach stark fertilitätsbelastenden Eingriffen eine Mutterschaft zu ermöglichen, etwa mit Hilfe der In-vitro-Maturation.

Veröffentlicht:

Jede Chemo- und jede Strahlentherapie reduziert bei Mädchen und Frauen die Chance, später Kinder zu bekommen, sagt Dr. Sören von Otte von der Uni-Frauenklinik Lübeck. Zwar sind die Verfahren zur Krebstherapie nicht alle gleichermaßen fertilitätsmindernd, aber wie eine Patientin auf eine bestimmte Behandlung reagiert, ist schwer vorherzusagen.

Deshalb sollten bei jungen Frauen vor einer Chemo- oder Strahlentherapie immer fertilitätsschützende Maßnahmen ergriffen werden, so von Otte bei einer Veranstaltung der Nord-Ostdeutschen Gesellschaft für Gynäkologische Onkologie in Berlin.

Ist eine Strahlentherapie geplant, die nur einen definierten Bezirk betrifft, aber die in der gleichen Region liegenden gesunden Ovarien mitbestrahlt, kann die Lösung einfach sein: Die Eierstöcke werden chirurgisch vorübergehend aus dem geplanten Strahlenfeld, etwa an den Beckenrand, verlagert.

Vor einer den ganzen Körper erfassenden Bestrahlung oder einer Chemotherapie bestehe seit kurzem die Möglichkeit, funktionstüchtiges Eierstockgewebe zu entnehmen und kryotechnisch zu konservieren, sagte der Gynäkologe auf der von den Unternehmen GlaxoSmithKline und EuMeCom unterstützten Veranstaltung. Nach Abschluß der Therapie werde das Gewebe dann zurückverpflanzt.

Für Frauen nach der Pubertät gebe es zwei weitere Optionen, so von Otte: Kann die Krebstherapie noch drei bis fünf Wochen aufgeschoben werden, kann zunächst eine hormonelle Stimulation der Eizellreifung erfolgen. Danach können reife Eizellen zur In-vitro-Fertilisation entnommen und befruchtet oder unbefruchtet kryokonserviert werden.

Für Patientinnen, bei denen die Krebstherapie nicht länger aufgeschoben werden kann, ist seit etwa einem Jahr in mehreren Zentren in Deutschland die In-vitro-Maturation (IVM) möglich. Hierfür können ohne vorausgehende hormonelle Stimulation aus dem Ovarialgewebe unreife Eizellen entnommen werden, die dann über 24 bis 32 Stunden im Reagenzglas reifen und anschließend kryokonserviert werden.

Weitere Infos: Dr. Sören von Otte, Frauenklinik der Uni Lübeck, Tel.: 04 51 / 5 00 21 56, E-Mail: svonotte@gmx.de



STICHWORT

FertiProtekt

Um Maßnahmen zum Schutz der Fertilität bei Frauen mit Krebs voranzutreiben, in Studien zu prüfen, sie einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen und um die Forschung zu koordinieren, wurde im Mai 2006 das nationale Netzwerk FertiProtekt ins Leben gerufen. Die Gründungssitzung fand in Heidelberg statt. Bislang beteiligen sich an diesem Netzwerk 34 deutsche Universitätskliniken.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Cardisio

© Cardisio

Cardisio

Cardisiographie mit LVEF-Erkennung

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Lesetipps
Sklerenikterus bei einem älteren Patienten

© Dr. P. Marazzi / Science Photo Library

Meist Adenokarzinome

Tipps zur Früherkennung: Warnzeichen für Pankreaskrebs erkennen

Symbolbild eines Darms mit einer Lupe

© kirania / Generated with AI / Stock.adobe.com

Wandel der postoperativen Therapie

Morbus Crohn: Biologika senken das Rezidivrisiko nach Darmresektion

Sicht eines Patienten mit AMD: Das zentrale Sehen ist stark eingeschränkt durch einen dunklen Fleck.

© Tunatura - stock.adobe.com

AMD-Prävention

Altersabhängige Makuladegeneration: Leitlinie gibt Empfehlungen zum Screening