Ärzte Zeitung, 22.05.2007

Darstellung von Föten im Uterus präziser denn je

Ungeborene können per Sonografie fast in Fotoqualität untersucht werden / Positiver Effekt auf Eltern-Kind-Bindung

Von den unscharfen grau-weißen Bildern der ersten Verfahren sind die modernen Entwicklungen der Ultraschalltechnologie weit entfernt. Fast fotorealistisch sind die Ungeborenen heute zu sehen. Und mit der STIC (Spatio Temporal Image Correlation)-Technologie ist sogar die Beobachtung des schlagenden fötalen Herzens möglich.

Von Sabine Fisch

Esther vier Monate vor ihrer Geburt und einen danach. Die späteren Gesichtszüge lassen sich bereits mit der 4D-Sonografie erahnen. Foto: Astrid Bürgel

Die Entwicklung der fötalen Ultraschalluntersuchungen hat einen weiten Weg hinter sich: 1997 kamen die ersten ausgereiften 3D-Ultraschallgeräte auf den Markt. Mit diesen Geräten können Föten dreidimensional dargestellt werden. Das Babyfernsehen, wie der 3D-Ultraschall auch genannt wird, verstärkt die Bindung der werdenden Eltern an ihr Kind - das haben Studien inzwischen deutlich gemacht. Das bildgebende Verfahren dient aber auch dazu, eventuelle Missbildungen, die im 2D-Ultraschall beim niedergelassenen Gynäkologen vermutet wurden, abzusichern.

"3D-Sonografie gehört in die Hand spezialisierter Zentren"

"Diese besonderen Ultraschalluntersuchungen gehören jedoch in die Hand spezialisierter Zentren", hielt der Reproduktionsmediziner Professor Wilfried Feichtinger vom Wunschbaby Zentrum in Wien bei der 39. Fortbildungstagung für Gynäkologen und Geburtshelfer in Obergurgl/Tirol fest. Im Verlauf einer normalen Schwangerschaft genügen die beiden im Mutter-Kind-Pass vorgeschriebenen 2D-Ultraschalluntersuchungen.

Mithilfe der 3D-Sonografie können nicht nur Oberflächen plastisch dargestellt werden, sondern auch die inneren Strukturen des Fötus. Wie bei einem Fotobearbeitungsprogramm kann am Bild die äußere Hülle abgeschält und bestimmte Organsysteme dargestellt werden. "Selbst die Vogelperspektive ist möglich", erläuterte der deutsche Gynäkologe Professor Eberhard Merz von der Frauenklinik am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt am Main. "Dabei kann man die Darstellung des fötalen Kopfes quasi elektronisch aufschneiden und jede einzelne Ebene durchsehen."

Möglich ist eine elektronische Rekonstruktion der Hirnebenen des Fötus.

Beim 3D-Ultraschall wird eine zweidimensionale Ebene um einen Winkel von 60 Grad im Raum geschwenkt, die Schnittbilder elektronisch zu einem Volumenblock zusammengesetzt. Aus diesem Volumenblock lassen sich auch dreidimensionale Aufsichts- und Transparenzbilder berechnen. In Form einer Rotationsbewegung um die vertikale oder horizontale Achse kann der Untersucher den Feten von verschiedenen Seiten betrachten und detailliert beurteilen. So können auch Gesichtsdysmorphien und oberflächliche Anomalitäten genau beurteilt werden. Bei Lippenspalten wird deutlich, ob ebenfalls Kiefer und Gaumen betroffen sind.

Die 4D-Sonografie, die seit 2002 verwendet wird, ermöglicht die Darstellung des Föten in Bewegung: "Hiermit können wir feststellen, ob ein Ungeborenes Arme und Beine bewegen kann", erklärte Feichtinger. "Werden etwa nur die Arme bewegt, deutet dies auf einen Wirbelsäulenschaden hin."

Bewegte Darstellung des Herzens im Mutterleib

Eine Weiterentwicklung des 4D-Ultraschalls ist die Spatio Temporal Image Correlation, die STIC-Technologie. Mithilfe aufwändiger Berechnungsmethoden kann damit sogar das fötale Herz in Bewegung dargestellt werden. Eine Kombination mit der Dopplersonografie ermöglicht zusätzlich die Kontrolle des Bluteinstroms in die Herzkammern: "So können wir bereits intrauterin Herzfehler detektieren", erläuterte Feichtinger.

"Die neuen Ultraschalltechnologien und die Möglichkeiten der Bildbearbeitung", so Merz, "helfen uns bei der Darstellung von Fehlbildungen des Fötus, sowohl an der Oberfläche als auch an tiefen Strukturen." Eine Wundermethode seien aber auch diese Technologien nicht, denn "auch mit 3D- und 4D-Ultraschall ist es nicht möglich, 100 Prozent aller Fehlbildungen zu erkennen".


Der Artikel erschien zuerst in der österreichischen Wochenzeitung "Ärzte Woche" am 19. April 2007

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »