Ärzte Zeitung, 20.09.2012

Studie

Abtreibung hat Folgen für nächste Schwangerschaft

Erst Abbruch, dann Frühgeburt: Lässt eine Frau eine erste Schwangerschaft abbrechen, muss sie mit einem erhöhten Risiko für eine Frühgeburt rechnen, wenn sie erneut schwanger ist. Das zeigt eine schottische Studie. Wie die Abtreibung vorgenommen wurde, spielt ebenfalls eine Rolle.

Abtreibung hat Folgen für nächste Schwangerschaft

Schwanger? Der Abbruch der ersten Schwangerschaft ist mit einer erhöhten Rate von Frühgeburten bei der nächsten Schwangerschaft assoziiert.

© Alexander Raths / shutterstock

ABERDEEN (ple). Der Abbruch der ersten Schwangerschaft ist im Vergleich zu einer normal verlaufenen Schwangerschaft mit einer erhöhten Rate spontaner Frühgeburten bei der nächsten Schwangerschaft assoziiert.

Wird häufiger ein Abort vorgenommen, erhöht das allerdings diese Komplikationsrate nicht.

In einer retrospektiven Studie verglichen schottische Gynäkologen den Verlauf von Schwangerschaften, nachdem die erste Schwangerschaft abgebrochen worden war, mit dem Verlauf bei Frauen nach einer normalen Schwangerschaft oder nach einer Fehlgeburt (BMJ Open 2012; 2: e000911).

Analysiert wurden Daten von mehr als 120.000 Schwangerschaftsabbrüchen, mehr als 457.000 normal verlaufenen Schwangerschaften und knapp 47.400 Schwangerschaften, die mit einer Fehlgeburt endeten.

Frauen, die abgetrieben hatten, waren älter als Frauen in den Vergleichsgruppen und eher Raucherinnen. Beide Parameter wurden in der Datenanalyse herausgerechnet.

Das Risiko einer Frühgeburt bei Frauen, die die erste Schwangerschaft abgebrochen haben, ist der Studie zufolge deutlich höher als bei Frauen, die erstmals schwanger sind oder deren erste Schwangerschaft normal verlaufen ist und die ein lebendes Kind zur Welt gebracht haben.

Im Vergleich zu Erstgebärenden beträgt das adjustierte relative Risiko demnach 1,37, im Vergleich zur normalen ersten Schwangerschaft 1,66, ist also um ein bzw. zwei Drittel erhöht. Anders ist das, wenn mit Frauen verglichen wird, die eine Fehlgeburt hatten. Das adjustierte relative Risiko beträgt dann 0,85.

Die Art des Abbruchs ist auch entscheidend

Zudem hatten Frauen, die in der ersten Schwangerschaft abtrieben, im Vergleich zu Frauen, deren erstes Kind gesund zur Welt kam, ein höheres Risiko für Präeklampsie, vorzeitige Plazentaablösung, Geburtseinleitung sowie eine Entbindung vor der 32. oder sogar 28. Schwangerschaftswoche.

Und: Die Wahrscheinlichkeit für eine Abtreibung bei der zweiten Schwangerschaft ist auch erhöht. Von den 120.000 Frauen waren es mehr als 43.200 Frauen, die auch bei der zweiten Schwangerschaft abtreiben ließen.

Wie schwerwiegend die Auswirkung eines Aborts auf die folgenden Schwangerschaften ist, hängt auch davon ab, ob der Abbruch chirurgisch oder medikamentös erfolgte.

Mit einem adjustierten relativen Risiko von 1,25 ist das Risiko für eine Frühgeburt nach einem chirurgischen Eingriff offenbar deutlich höher als nach einer medikamentös ausgelösten Abtreibung.

Allerdings geben die Gynäkologen zu bedenken, nicht ausschließen zu können, dass die erhöhte Rate darauf beruht, dass der chirurgische Abbruch in der Studie vermehrt in höherem Gestationsalter vorgenommen wurde.

Quelle: www.springermedizin.de

[19.04.2014, 11:09:42]
Anne-Marie Rey 
Neue Studie von 2013: ab 2000 kein erhöhtes Risiko mehr
Aus Schottland gibt es noch eine neuere Studie. Sie zeigt auf, dass das Risiko einer Frühgeburt nach einem vorhergehenden Schwangerschaftsabbruch seit den 1980er Jahren massiv gesunken und nach 2000 praktisch verschwunden ist. Die Autoren führen dies auf die neuen Methoden zurück (Anwendung von Prostaglandin zur Aufweichung des Muttermundes vor einem chirurgischen Abbruch und vor allem Einführung der medikamentösen Methode).

Oliver-Williams C, Fleming M, Monteath K, Wood AM, Smith GCS (2013) Changes in Association between Previous Therapeutic Abortion and Preterm Birth in Scotland, 1980 to 2008: A Historical Cohort Study. PLoS Med 10(7): e1001481. doi:10.1371/journal.pmed.1001481. Veröffentlicht 9.7.2013

Im Übrigen ist ein relatives Risiko von 1.37 eigentlich nur geringfügig erhöht. Das würde z.B. bedeuten, dass Frauen ein Frühgeburten-Risiko von 9,5% haben anstatt 7%. Aber wie die schottische Studie von 2013 zeigt: Neuere Daten dürften zu anderen Ergebnissen kommen.

UND: es ist unverständlich, weshalb in Deutschland immer noch bloss etwa 15% der Abbrüche mit der medikamentösen Methode (Mifegyne) durchgeführt werden... zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »