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Hormonelle Verhütung

Pille = höheres Risiko zur Depression?

Die Anwendung hormoneller Verhütungsmitteln ist mit einer erhöhten Rate von Depressionen assoziiert. Die höchsten Raten finden sich bei jungen Frauen im Alter unter 20 Jahre.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Pille und Depression: Der Zusammenhang wurde bei über einer Million Frauen abgeklärt.

Pille und Depression: Der Zusammenhang wurde bei über einer Million Frauen abgeklärt.

© thingamajiggs / fotolia.com

KOPENHAGEN. Gibt es einen Zusammenhang zwischen hormoneller Kontrazeption und Depressionen? Um diese Frage zu klären, haben dänische Gynäkologen und Psychiater der Universität Kopenhagen zwei landesweite Register ausgewertet (JAMA Psychiatry 2016, online 28. September). Aus den Registern für Arzneiverordnungen und für Diagnosen in psychiatrischen Kliniken ließen sich Daten von über einer Million Frauen und Mädchen im Alter zwischen 15 und 34 Jahre über einen mittleren Zeitraum von sechs Jahren analysieren. Knapp 56 Prozent der Frauen hatten in dieser Zeit hormonelle Verhütungsmittel genutzt. Pro 100 Personenjahre wurde 2,2 von ihnen erstmalig ein Antidepressivum verordnet und bei 0,3 erstmals eine Depression diagnostiziert. Bei Frauen, die nie oder zumindest in den letzten sechs Monaten nicht mit Hormonpräparaten verhütet hatten, waren es 1,7 und 0,28/100 PJ.

Im Vergleich zu Frauen ohne orale Kontrazeption ergab sich bei Frauen mit kombinierten oralen Kontrazeptiva ein um 20 Prozent und mit reinen Gestagenpillen ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko für eine Antidepressiva-Verschreibung. Die Risikosteigerung mit einem transdermalen Pflaster (Norelgestromin) betrug 100 Prozent, mit einem Vaginalring (Etonogestrel) 60 Prozent und mit einem Intrauterinpessar (Levonorgestrel) 40 Prozent. Die Exzessrisiken für eine Depressionsdiagnose lagen insgesamt etwas niedriger. Mit dem Alter sank das Risiko für Depressionen unter Hormonanwendung. Am stärksten gefährdet waren 15- bis 19-Jährige. Bei ihnen lag zum Beispiel die Rate an Erstverordnungen von Antidepressiva unter Östrogen-Gestagen-Pillen um 80 Prozent und unter reinen Gestagenpillen um 120 Prozent höher als ohne hormonelle Kontrazeption.

Die Gefahr einer Depression war bei den Frauen auch von der Dauer des Hormongebrauchs abhängig. Der Spitzenwert bei Antidepressiva-Erstverschreibungen war nach sechsmonatiger Behandlung erreicht, mit einem durchschnittlichen Risikoanstieg um 40 Prozent; nach ein bis vier Jahren betrug das Zusatzrisiko noch 20 Prozent, nach vier bis sieben Jahren noch 10 Prozent.

Noch deutlicher waren die Risikosteigerungen, wenn als Referenzgruppe Nie-Anwenderinnen gewählt wurden. Im Vergleich zu ihnen war zum Beispiel in der Gesamtgruppe mit oralen Kombipräparaten der Anteil mit erstmaliger antidepressiver Medikation um 70 Prozent erhöht, bei Jugendlichen sogar um 120 Prozent.

Eine Zunahme des Depressionsrisikos war auch dann zu erkennen, wenn zum Vergleich das Jahr vor Beginn der hormonellen Verhütung herangezogen wurde. Mit oralen Östrogen-Gestagen-Präparaten betrug der Risikoanstieg bei den 20- bis 30-Jährigen im Mittel 40 Prozent, bei den 15- bis 19-Jährigen 80 Prozent.

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