Ärzte Zeitung, 02.11.2004

Neuroleptikum hilft auch gegen Depressionen

Quetiapin kann neue Therapieoption bei bipolaren Störungen sein / Qualität des Schlafes wird verbessert

PLANKSTADT (hsr). Bei Patienten mit bipolaren Störungen reduziert das atypische Neuroleptikum Quetiapin nicht nur die manische Symptomatik rasch und langfristig, sondern hilft den Kranken auch deutlich in ihren depressiven Episoden.

"Depressive Phasen sind bei bipolar gestörten Patienten viel häufiger als akute Manien. Darunter leiden die Kranken besonders, das ist das, was sie quält", sagte Privatdozentin Dr. Stephanie Krüger aus Dresden.

  Patienten leiden unter ihren Depressionen besonders stark.

Als mögliche neue therapeutische Option bei bipolaren Depressionen nannte die Psychiaterin das bereits bei Schizophrenie und Manie bewährte Quetiapin (Seroquel®), weil es auch eine gute antidepressive Wirksamkeit habe. Das legten Daten der BOLDER (Bipolar Depression)-Studie nahe, so Krüger bei einer Veranstaltung von AstraZeneca in Plankstadt.

In der Studie sind 542 bipolar erkrankte Patienten, die seit mehr als vier Wochen eine schwere Depression hatten, über acht Wochen lang täglich entweder mit 300 mg oder 600 mg des Atypikums oder mit Placebo behandelt worden. Dabei verbesserte sich die Depressions-Symptomatik in beiden Dosierungs-Gruppen bereits in der ersten Woche deutlich, gemessen mit der Montgomery-Åsberg-Depression-Skala (MADRS), und zwar von 30 Punkten (schwere Depression) auf 21 Punkte.

"Das ist ungewöhnlich schnell", so Krüger. "Normalerweise ist mit Antidepressiva eine zweiwöchige Latenz zu überbrücken, bis die Wirkung einsetzt." Mit Placebo sank der MADRS-Wert in einer Woche von 30 auf 25 Punkte. Insgesamt lag der Wert auf der MADR-Skala nach acht Wochen in den beiden Quetiapin-Gruppen bei etwa 13 Punkten, mit Placebo bei etwa 20 Punkten. Auch Symptome wie Traurigkeit, innere Spannung, reduzierter Schlaf, Appetitmangel und Suizidgedanken gingen mit dem Wirkstoff deutlich stärker zurück als mit Placebo.

Quetiapin wurde nach Angaben der Psychiaterin gut vertragen: Es kam zu keinem Wechsel in die Manie, Hyperglykämien traten nicht auf, die Rate extrapyramidaler Symptome lag ebenso auf Placebo-Niveau wie die der Prolaktinerhöhungen.

Müdigkeit und orthostatische Probleme während der Dosissteigerung ließen sich durch Verabreichung der Hauptdosis am Abend mindern. Da sich der Schlaf der Patienten erheblich bessert, werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Ist der Schlaf gut, nimmt auch die Depression ab".

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