Ärzte Zeitung, 29.03.2005

Überwärmung läßt Tumoren besser schrumpfen

Regionale Hyperthermie unterstützt Chemo- und Strahlentherapie bei Tumoren im Bauch- und Beckenbereich

BERLIN (ugr). Regionale Hyperthermieverfahren in Kombination mit Chemo- oder Strahlentherapien sind bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen eine gute Therapieoption. Vor allem bei Tumoren im Bauch- und Beckenbereich hat das Überwärmungsverfahren gute Ergebnisse erzielt.

Patientin während einer Hyperthermie-Therapie mit einem Ring-Applikator. Die eingeklingten Bilder zeigen die Wärmeverteilung in den jeweiligen Schnittebenen. Fotos (2): Professor Peter Wust, Charité Berlin

Bei der regionalen Hyperthermie werden größere Körperregionen wie der Beckenbereich oder die unteren Extremitäten durch elektromagnetische Wellen (Radio- oder Mikrowellen) auf bis zu 42°C erwärmt. Das hat Professor Peter Wust von der Charité bei der 1. Offenen Krebskonferenz in Berlin berichtet.

Der Ring-Applikator erwärmt das tumorhaltige Gewebe durch Radio- und Mikrowellen auf bis zu 42 Grad Celsius.

Die Patienten liegen bei dem Verfahren in einem Ring-Applikator, auf dem Antennen angebracht sind, die die Strahlung aussenden. "Mit dieser Methode lassen sich einerseits Patienten mit lokal fortgeschrittenen Sarkomen, Prostata- und Zervixkarzinomen, andererseits Patienten mit Rezidiven von Rektum-, Zervix-, Prostata- und Blasentumoren gut behandeln", sagte Wust.

In Kombination mit einer Strahlen- oder Chemotherapie gibt es für diese Indikationen standardisierte Therapieprotokolle, die in klinischen Studien an mehreren Uni-Zentren, etwa in Berlin, München, Lübeck, Essen, Düsseldorf und Tübingen praktiziert werden.

Bei der Teilkörperhyperthermie wird mit dem Bauchraum ein noch etwas größeres Volumen als bei der Regionaltherapie erwärmt. Verwendet werden ähnliche Applikatoren. Behandelt werden Patienten mit Tumoren an Magen, Pankreas, Ovar oder Kolon. "Wegen der höheren Leistung und der damit verbundenen Belastung für den Patienten erfolgt ein spezielles Monitoring mit einem MR-Tomographen, auf dem die Wärmeentwicklung im Körper während der etwa eineinhalbstündigen Behandlung überwacht wird."

Beide Verfahren beziehen ihre Wirksamkeit jedoch nicht aus einer direkten Thermotoxizität, die erst oberhalb von 42,5 °C einsetzt. "Vielmehr verstärkt die Überwärmung des Gewebes das Ansprechen auf eine Radio- oder Chemotherapie", erläuterte Professor Rolf-Dieter Issels vom Universitätsklinikum München.

Der therapeutische Effekt beruhe vor allem auf einer Steigerung der Durchblutung und der Sauerstoffversorgung der Tumoren. Werden Tumoren besser durchblutet, erreichen Zytostatika die malignen Zellen besser. Die erhöhte Sauerstoffversorgung wiederum macht Tumoren sensibler für eine Strahlentherapie. Rund 6000 kombinierte Hyperthermiebehandlungen seien in München bereits vorgenommen worden, so Issels: "Die Ergebnisse sind in aller Regel besser als bei alleiniger Chemo- oder Strahlenbehandlung."

Die Wirksamkeit der lokalen Hyperthermie (lokoregionale Elektrohyperthermie) bei oberflächlichen Läsionen und der belastenden Ganzkörperhyperthermie, die bei metastasierten Tumoren verwendet wird und bei der sich der Patient mehrere Stunden in einer thermisch isolierten Kammer oder Röhre befindet, ist nach Angaben von Wust und Issels noch nicht gesichert.

Ein neues, interstitielles Verfahren ist die Magnetflüssigkeitshyperthermie mit Nanoteilchen, das etwa beim Glioblastom angewandt wird. Wusts Fazit: "Die wichtigsten und zahlenmäßig bedeutsamen onkologischen Erkrankungen sind nur mit der regionalen Hyperthermie erreichbar."

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