Ärzte Zeitung, 29.05.2006

Bipolare Störung verläuft bei Kindern oft schwer

Junge Patienten haben mehr Stimmungsschwankungen als Erwachsene / Plädoyer für frühe Therapie

PITTSBURGH (ner/mut). Eine bipolare Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen verläuft oft schwerer als bei Erwachsenen. Aktuellen Studiendaten zufolge haben erkrankte Kinder und Jugendliche häufiger Stimmungsschwankungen und wechseln öfter zwischen manischen und depressiven Phasen.

Bislang gibt es nur wenige Daten zum Verlauf von bipolaren Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Mit der COBY-Studie (Course and Outcome of Bipolar Illness in Youth) haben Dr. Boris Birmaher und seine Kollegen aus Pittsburgh im US-Staat Pennsylvania den Krankheitsverlauf erstmals bei einer größeren Gruppe prospektiv untersucht.

Es nahmen 263 Kindern und Jugendliche zwischen 7 und 17 Jahren teil, die eine bipolare Störung hatten. Die Daten wurden über zwei Jahre erhoben und dann mit denen von 150 Erwachsenen verglichen. Der Zustand der Patienten wurde mit mehreren psychiatrischen Skalen erfaßt (Arch Gen Psychiatry 63, 2006, 175).

Ergebnis: Es werden zwar 70 Prozent der jungen Patienten nach einer depressiven oder manischen Episode symptomfrei. Aber jeder zweite Patient hat innerhalb von zwei Jahren mindestens eine neue Episode, meist Depressionen. Insgesamt waren nach den Studiendaten Kinder und Jugendliche 40 Prozent der Studiendauer symptomfrei, Erwachsene 53 Prozent. Erwachsene hatten im Schnitt sechs ausgeprägte Stimmungsschwankungen pro Jahr, Kinder und Jugendliche dagegen 20.

Ähnlich sieht es mit Phasenwechsel aus: Erwachsene pendelten im Schnitt dreieinhalbmal pro Jahr zwischen einer klinisch manifesten Manie und einer Depression. Die jungen Patienten hatten dagegen im Schnitt 16 Phasenwechsel. 30 Prozent hatten sogar mehr als 20 Phasenwechsel pro Jahr, bei den Erwachsenen waren es nur vier Prozent.

Schließlich ist die Prognose umso schlechter, je früher die bipolare Störung auftritt und je länger die Symptome anhalten. Beginnt die Erkrankung bereits in der Kindheit, ist die Chance, nach einer Krankheitsepisode völlig symptomfrei zu werden, nur halb so groß wie bei Patienten, die als Jugendliche erstmals erkranken. Daher plädieren die US-Ärzte für eine frühe stimmungsstabilisierende Therapie.

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