Ärzte Zeitung, 18.03.2005

Triple-Tablette gibt Patienten mit RLS die Nachtruhe zurück

Studie mit Kombination aus L-Dopa, Carbidopa, Entacapon

FRANKFURT/MAIN (hsr). Bei Patienten mit Restless-Legs-Syndrom (RLS) verringern sich die nächtlichen Beschwerden deutlich mit der Kombination aus L-Dopa, Carbidopa plus dem COMT-Hemmer Entacapon. Besonders wirksam im Vergleich zur Standardtherapie scheint die Triple-Tablette dabei in der zweiten Nachthälfte zu sein.

Diese Ergebnisse einer finnischen Untersuchung hat Professor Wolfgang H. Oertel von der Universität Marburg beim 4. Deutschen Parkinson-Kongreß in Frankfurt am Main vorgestellt. Wie der Neurologe auf einem Symposium von Orion berichtet hat, liegt die RLS-Prävalenz "nach konservativen Schätzungen" bei einem Prozent der Bevölkerung. Zahlen von bis zu zehn Prozent hält Oertel jedoch für realistischer.

Als Therapie-Indikation nannte er Ein- und Durchschlafstörungen durch die periodisch vor allem nachts auftretende Unruhe in den Beinen und die dadurch beeinträchtigte Lebensqualität auch am Tag. Die unwillkürlichen, oft mit Mißempfindungen wie Schmerzen einhergehenden Beinbewegungen (PLM: Periodic limb movements) treten in bis zu fünf Sekunden dauernden Phasen von mindestens vier Einzelbewegungen und Intervallen von vier bis 90 Sekunden auf.

Die Standardtherapie bei RLS erfolgt mit L-Dopa. Als Nachteile nannte Oertel unter anderem die kurze Wirkdauer. Um zu prüfen, ob sich durch Zugabe von Entacapon die Therapie optimieren läßt, sind 28 im Mittel 51jährige RLS-Patienten - 18 Frauen und zehn Männer - entweder mit der Dreier-Kombination (Stalevo®) in verschiedenen Dosierungen oder mit 100 mg Levodopa / 25 mg Carbidopa als Standardtherapie oder Placebo behandelt worden.

Bei über einem Drittel der Patienten lag der Erkrankungsbeginn 20 bis 30 Jahre zurück. Die Auswaschphase zwischen den Therapien betrug vier bis acht Tage. PLM und andere Schlafvariablen wurden mit der Polysomnographie ermittelt.

Nach Angaben von Oertel verringerten sich die PLM pro Stunde während der geschlafenen Zeit verglichen mit dem Ausgangswert und Placebo signifikant sowohl mit der Zweier- als auch mit der Dreier-Kombi: Um 50 Prozent in der geringen, gleichauf mit der Standardtherapie um 75 Prozent in der mittleren und um knapp 85 Prozent in der hohen Dosis.

In den letzten vier Stunden der Nacht aber sei die Triple-Tablette mit 100 mg Levodopa / 25 mg Carbidopa und 200 mg Entacapon der Standardtherapie überlegen gewesen, "was die verlängerte Aktivität von L-Dopa durch Entacapon bestätigt", so Oertel.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »