Ärzte Zeitung, 26.03.2007

Methylphenidat hilft Erwachsenen mit ADHS

Studie mit 359 Patienten belegt Nutzen von Retard-Präparat  / Therapie verringert Symptome signifikant

AACHEN (fvw). Erwachsene mit Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivititäts-Syndrom (ADHS) können wirksam mit Methylphenidat behandelt werden. Das hat eine Placebo-kontrollierte Studie ergeben.

Dass noch kein Methylphenidat-Präparat in Deutschland zur Therapie von Erwachsenen mit ADHS uneingeschränkt zugelassen ist, liegt an begrenzten Langzeiterfahrungen zu Wirksamkeit und Verträglichkeit. Daten dazu liefert jetzt die EMMA-Studie* von Professor Michael Rösler aus Homburg /Saar.

Der ADHS-Experte hat die Studie beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Aachen vorgestellt: Etwa zwei Drittel der 359 erwachsenen Studienteilnehmer wurden über 24 Wochen mit im Mittel 40 mg retardiertem Methylphenidat behandelt, ein Drittel mit Placebo.

Die Symptome der Patienten wurden mit dem Wender Reimherr Interview (WRI) erhoben. Dabei wurden außer Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität auch Erwachsenen-typische Symptome wie Desorganisation und emotionale Dysregulation erfasst. "Die Patienten erhielten zudem eine individuelle Beratung", erklärte Rösler bei der Veranstaltung von Medice.

Die Behandlung mit retardiertem Methylphenidat war der Placebowirkung über 24 Wochen signifikant überlegen. Im Mittel verringerten sich die Punktwerte für die Symptome mit Placebo von 46 auf 32 Punkte, mit Methylphenidat auf 26 Punkte. Zudem sprachen in der Verumgruppe im Vergleich zu Placebo deutlich mehr Patienten auf die Therapie an. In beiden Gruppen gab es keine Differenzen bei der Gewichtsentwicklung und beim Blutdruck. Das Präparat wurde gut vertragen. Methylphenidat (Medikinet® retard) ist in den Wirkstärken 10, 20, 30 und 40 mg erhältlich.

*Erwachsene mit Methylphenidat retard zur Prüfung der Effektivität und Verträglichkeit bei ADHS.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »