Direkt zum Inhaltsbereich

Suizid-Prävention beginnt in der Schule

NEU-ISENBURG (ikr). Der Suizid des Nationaltorwarts Robert Enke erregt bundesweit großes Aufsehen und Mitgefühl. Die Entstigmatisierung der Depression ist der wichtigste Weg, um solche Todesfälle künftig zu vermeiden.

Veröffentlicht:
Fußballfans tragen sich am Mittwoch in ein Kondolenzbuch für den toten Nationaltorwart Robert Enke ein. Enkes Freitod rückt die stigmatisierte Erkrankung Depression in das Licht der Öffentlichkeit.

Fußballfans tragen sich am Mittwoch in ein Kondolenzbuch für den toten Nationaltorwart Robert Enke ein. Enkes Freitod rückt die stigmatisierte Erkrankung Depression in das Licht der Öffentlichkeit.

© Foto: dpa – Bildfunk

Suizidale Phantasien sind bei depressiven Menschen keine Rarität. "Etwa 90 Prozent der Patienten, die wegen einer Depression behandelt werden, haben irgendwann in ihrem Leben zumindest einmal flüchtig über Selbstmord nachgedacht", sagte Dr. Frank Bergmann, 1.  Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte, zur "Ärzte Zeitung". Die meisten verwerfen den Gedanken wieder. Es sei ein sehr langer Prozess von der ersten flüchtigen Idee bis zu einem konkreten Handlungsvorhaben. "Es ist daher ganz wichtig, die Patienten proaktiv immer wieder nach suizidalen Gedanken zu fragen, da viele Patienten sich scheuen, von sich aus darüber zu sprechen", so Bergmann.

Besonders schwierig ist es nach Angaben des Psychiaters allerdings, wenn Patienten wie Enke nach außen hin eine für sie intaktere Fassade präsentieren wollen. Dann sei es selbst für Fachärzte schwer, zu erahnen, wie es wirklich um den betreffenden Patienten bestellt ist. Enke habe im Gegensatz zu Sebastian Deisler, der mit seiner Krankheit an die Öffentlichkeit gegangen war, versucht, seine Krankheit nicht nach außen dringen zu lassen. Er hatte große Angst davor, dass man ihm seine Depression als eine Art Schwäche auslegen und seine Eignung als Torwart der Nationalmannschaft in Frage stellen könnte oder ihm gar das adoptierte Kind weggenommen werden könnte. Dadurch entstand für Enke ein zusätzlicher Druck.

"Der Fall Enke sollte uns ermuntern, künftig alles zu tun, damit psychische Erkrankungen wie Depressionen entstigmatisiert werden und als Erkrankungen anerkannt werden, die zum Leben gehören und nichts mit persönlicher Schwäche zu tun haben", sagte Bergmann. Dazu gehört für den Psychiater, dass die Öffentlichkeit, etwa wie bei den "Bündnissen gegen Depressionen" in den Kommunen, noch stärker über die Krankheit aufgeklärt wird. Und das fängt für Bergmann bereits in den Schulen an. Hier würden bereits die Grundlagen dafür gelegt, über was wie gesprochen wird und wann jemand zum Beispiel als "Weichei" gilt.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Robert Koch-Institut

Fast jeder dritte Erwachsene hört schlecht

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Cannabis

Cannabinoide bei Schmerzen: Wann einsetzen, wie dosieren?

Porträt

Steve Roczen: Darum ist der MFA-Beruf für Männer interessant

Lesetipps
Ein gedeckter Tisch mit Gemüse

© san_ta / Stock.adobe.com

Metaanalyse

Ist eine vegetarische oder vegane Ernährung gut für Kinder?

Alle Diabetes-Patienten gegen  Herpes zoster impfen?

© Porträt: privat | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Alle Diabetes-Patienten gegen Herpes zoster impfen?