Ärzte Zeitung, 31.08.2016

Leseratten im Vorteil

Wer Bücher liest, lebt länger

Gibt es eine Assoziation zwischen dem Lesen von Büchern oder Magazinen und der Lebenzeit? Das haben jetzt US-Forscher geprüft und sind fündig geworden. Warum leben Bücherleser tendenziell länger als Magazinkonsumenten?

Wer Bücher liest, lebt länger

Öfter ein gutes Buch zu lesen kann anscheinend auch die Lebensdauer erhöhren.

© LuckyBusiness / iStock.com

NEW HAVEN. Senioren, die täglich in Büchern schmökern, leben im Mittel 23 Monate länger als Büchermuffel, melden US-Forscher.

In ihrer Studie wurden 3635 Personen ab 50 Jahren zu ihren Lesegewohnheiten befragt und dann im Mittel 9,5 Jahre nachbeobachtet. Die geistige Aktivität der Probanden war mehrfach mit einem kognitiven Testverfahren evaluiert worden. Die Sterbedaten wurden dem nationalen Sterberegister entnommen.

Bücherleser waren überwiegend weiblich, hatten einen höheren Schulabschluss und waren auch finanziell gut gestellt. Die Analyse berücksichtigte als Kovariablen unter anderem Komorbiditäten, Sehfähigkeit, finanzielle Verhältnisse, Familienstand, Alter, Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands sowie Ausbildung.

Die Leseintensität wurde jeweils in drei Terzile eingeteilt: bei Büchern: 0, 0,01-3,49 und ≥ 3,5 Stunden pro Woche, bei Zeitschriften: 0-2, 2,01-6,99 und ≥ 7 Stunden pro Woche. Das erste Terzil galt als Referenz. Im Mittel verbrachten die Teilnehmer wöchentlich 3,9 Stunden mit Bücher- und 6,1 Stunden mit Zeitschriftenlesen.

Bücherleser im Vorteil gegenüber Magazinleser

Ergebnis: Während des Follow-up starben 33 Prozent der Teilnehmer, die keine Bücher lasen, und 27 Prozent der Bücherleser. Unter den Magazinlesern hatten nur diejenigen Überlebensvorteile, die mindestens sieben Stunden pro Woche damit verbrachten (-11% Mortalität).

Bei den Bücherlesern war nach Berücksichtigung aller Störfaktoren schon ab dem zweiten Teilnehmerdrittel ein "dosisabhängiger" Effekt gegenüber der Referenzgruppe erkennbar: Die Sterblichkeit sank um 17% bzw. um 23% im dritten Teilnehmerdrittel.

Insgesamt hatten Bücherleser gegenüber Nicht-Bücherlesern nach Adjustierung aller Kovariablen einen Überlebensvorteil von 20 Prozent. Der positive Effekt hing dabei weder vom Bildungsstand noch von der Gehaltsgruppe ab; der Überlebensvorteil blieb auch nach Berücksichtigung des initialen Wertes im Kognitionsscore erhalten (Soc Sci Med 2016; 164: 44-8).

Warum verlängert Lesen das Leben?

Es ergab sich eine positive Assoziation zwischen dem Lesen von Büchern und der Kognition. Offenbar beflügelten Bücher den Geist mehr als Magazine, und dies, so die Autoren, wirke letztlich lebensverlängernd.

Es sei davon auszugehen, dass Bücherlesen kognitive Prozesse in Gang bringt, die dem Lesenden Überlebensvorteile schaffen. So führe intensives Lesen zu geistiger Beweglichkeit und wecke Empathie, fördere die soziale Wahrnehmung und die emotionale Intelligenz – lauter Faktoren, die ein längeres Leben begünstigen können. (St)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Bücher auf Rezept?

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »