Ärzte Zeitung, 06.02.2004

KOMMENTAR

Viel Freiheit für Entscheidungen

Von Ingeborg Bördlein

Das Aufpäppeln extrem unreifer Frühgeborener in neonatologischen Zentren kostet viel Zeit, viel Geld und viel Erfahrung. Ein hoher Prozentsatz der sehr kleinen Frühchen stirbt trotz optimaler Versorgung oder ist dauerhaft schwer behindert.

Je früher die Kleinen geboren werden, desto unsicherer ist ihre Prognose. Sollen oder müssen also klare Grenzen für die Chancen auf ein Überleben gesetzt werden, wie dies einige Nachbarländer schon tun?

In Deutschland wird hier eine sehr differenzierte und dem Einzelfall angepaßte Lösung gesucht. Dem Behandlungsteam und den Eltern wird so viel Entscheidungsfreiheit gelassen, aber auch viel Verantwortung in der Frage über Leben und Tod gegeben.

Es ist gut, daß gerade in Deutschland nicht nach starrem Reglement entschieden wird, ab welchem Zeitpunkt Leben als lebenswert zu erachten ist. Das ist sowohl medizinisch als auch ethisch begründet. Das Recht des einzelnen Kindes auf Leben wird gestärkt, es wird dann weiter behandelt, wenn Ärzte eine Überlebens-Chance sehen.

Den Eltern ist es so möglich, sich nach Absprache mit den Ärzten für das Leben ihres Kindes zu entscheiden, auch wenn es behindert sein wird.

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