Kleinwuchs lenkt Verdacht auf Ullrich-Turner-Syndrom

HAMBURG (ars/ikr). Bei jedem Mädchen mit ätiologisch unklarem Kleinwuchs sollte ein Test auf das Ullrich-Turner-Syndrom (UTS) gemacht werden. Denn handelt es sich um diese Störung der Geschlechtschromosomen, kann frühzeitig eine Therapie mit rekombinant hergestelltem Wachstumshormon beginnen. Dadurch wird das zu erwartende Defizit des Längenwachstums stark verringert. Ähnliches gilt beim phänotypisch ähnlichen Noonan-Syndrom.

Veröffentlicht:

Das empfiehlt Professor Nikolaus Stahnke von der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (Monatsschr Kinderheilkd 152, 2004, 517). Außerdem rät er zu Untersuchungen auf Fehlbildungen oder -funktionen, die oft mit einem UTS einhergehen: zur Sonografie von Nieren und Harnwegen, zu Echokardiogramm sowie regelmäßigen Kontrollen von Blutdruck, Schilddrüse, Hörvermögen, Kohlenhydratstoffwechsel und Skelettwachstum.

Beim Ullrich-Turner-Syndrom erreichen die Patientinnen nur eine Körpergröße von im Mittel 146 cm, also 20 cm weniger als gesunde Frauen. Die Beine sind auf den Rumpf bezogen zu kurz. Durch eine Therapie mit Wachstumshormon (GH) oder zusätzlich mit dem anabolen Steroid Oxandrolon werden die Patientinnen 8 bis 10 cm größer als ohne diese Therapie. Der Erfolg ist um so besser, je eher die Therapie beginnt. Eine solche Behandlung sollte beginnen, sobald die Körpergröße unter die 3. Perzentile fällt, empfiehlt Stahnke.

Die meisten Erfahrungen gebe es bisher mit mittelhohen GH-Dosierungen von 0,31 bis 0,37 mg/kg/Woche oder von 28 bis 33 IU/m2 KO/Woche. Bei unzureichendem Erfolg könne ab einem Knochenalter von neun Jahren zusätzlich Oxandrolon in niedriger Dosis (0,05 mg/kg täglich) verwendet werden.

Wie beim UTS versucht man mittlerweile auch bei Kindern mit Noonan-Syndrom (NS) das Längenwachstum durch Behandlung mit Wachstumshormon anzuregen - mit gutem Erfolg. Der Nutzen dieser Behandlung ist nach Stahnkes Einschätzung beim NS allerdings noch nicht ausreichend durch Studiendaten belegt.



STICHWORT

Ullrich-Turner-Syndrom (UTS)

Ein Ullrich-Turner-Syndrom (UTS) hat eines von 2000 bis 2500 lebend geborenen Mädchen.

Bei den meisten dieser Patientinnen liegt das X-Chromosom nur einmal vor. Typisch ist eine Dysmorphie mit Strabismus, antimongoloider Augenstellung, Epikanthus, Ptosis oder Mikrognathie. Fast alle Mädchen mit Ullrich-Turner-Syndrom sind kleinwüchsig. Ihre Lebenserwartung ist um 13 Jahre verkürzt; Todesursache ist häufig eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Die meisten Patientinnen haben einen Hypogonadismus, so daß die Pubertät durch Sexualsteroide ausgelöst werden muß. Nur bei etwa fünf Prozent kommt es spontan zu einer Schwangerschaft.



Noonan-Syndrom

Ein Noonan-Syndrom hat eines von 1000 bis 2500 der lebend geborenen Kinder. Typisch sind Dysmorphien - wie beim Ullrich-Turner-Syndrom - im Gesichts-, Hals- und Thoraxbereich, Kleinwuchs, Herzfehler, Gerinnungsstörung und häufig eine geistige Retardierung. Die Geschlechtschromosomen sind normal. Das Syndrom kommt bei Jungen und Mädchen vor.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München

Chronisch kranke Kinder

Mangelernährung frühzeitig erkennen und konsequent angehen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Danone Deutschland GmbH, Frankfurt/Main
Rett-Syndrom: früh diagnostizieren, Betroffene bestmöglich fördern und Familien entlasten

© Olia / Generated with AI / stock.adobe.com

Neurologische Entwicklungsstörung

Rett-Syndrom: früh diagnostizieren, Betroffene bestmöglich fördern und Familien entlasten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
 Shabnam Fahimi-Weber

© Jochen Tack

Einsatz im Kriegsgebiet

Essener HNO-Ärztin hilft Menschen im Iran via Telemedizin

Endoskopische Auffälligkeiten bei der Colitis ulcerosa

© Gastrolab / Science Photo Library

Interview

Das ist neu in der S3-Leitlinie Colitis ulcerosa