Zur Diagnose der Lyme-Arthritis genügt meist schon ein Blick

BERLIN (gvg). Vor der Überbewertung von Antikörpertests bei Kindern mit Lyme-Arthritis ist auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin gewarnt worden. Wichtig ist das typische, klinische Erscheinungsbild der durch Zeckenbiß ausgelösten Erkrankung.

Veröffentlicht:

"Wegen der hohen Zahl von falsch positiven Testergebnissen ist der Nachweis von Borrelienantikörpern im Serum nur sinnvoll, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Lyme-Arthritis ohnehin hoch ist", sagte Dr. Frank Dressler von der Medizinischen Hochschule Hannover. Wegweisend sei zunächst das typische, klinische Erscheinungsbild der Gelenkentzündung.

Anders als andere Arthritiden bei Kindern verursacht die Lyme-Arthritis häufig wenige oder gar keine Schmerzen. Sie beginnt meist mit einem geschwollenen Knie und betrifft auch im weiteren Verlauf praktisch niemals mehr als maximal vier Gelenke. Die Schwellungen verschwinden oft von selbst, treten aber immer wieder auf. Sie dauern anfangs Tage, später Wochen und in sehr seltenen Fällen Monate.

Wird zur Bestätigung eines Verdachts auf Lyme-Arthritis eine Antikörperbestimmung im Serum erwogen, so sollte der Arzt das Labor auf jeden Fall bitten zusätzlich zum enzymatischen Screeningtest noch einen Bestätigungstest zu machen, wie Dressler in Berlin sagte. Dabei handelt es sich meist um einen Western- oder Immuno-Blot, der bei der Borreliose IgM- und IgG-Antikörper nachweist.

"IgM-Antikörper können bei der Borreliose allerdings auch längerfristig persistieren", so Dressler. Eine mögliche Alternative zur Serumdiagnostik sei die Bestimmung von Borrelien-DNA aus der Gelenkflüssigkeit mittels Polymerasekettenreaktion. "Definitiv unsinnig sind Verlaufskontrollen während oder nach der Behandlung", betonte Dressler. Eine Therapie, die klinisch Erfolg zeige, müsse nicht serologisch kontrolliert werden.

Die Therapie kann oral mit Amoxicillin über 30 Tage erfolgen. Bei Kindern und Jugendlichen liegt die Dosis bei 50 mg pro Kilogramm Körpergewicht, verteilt auf drei einzelne Dosen. Ab dem neunten Lebensjahr kann auch mit täglich zweimal 100 mg Doxycyclin behandelt werden. Die dritte Variante ist eine i.v.-Therapie für zwei Wochen. Für die Einmalgabe als Kurzinfusion kommt etwa Ceftriaxon (50 mg pro Kg) in Frage.



STICHWORT

Lyme-Arthritis

Die Lyme-Arthritis tritt bei etwa einem von zehn Borreliosepatienten auf. Die Prognose ist auch ohne Therapie gut. Die Arthritis kann allerdings über Jahre immer wieder Beschwerden machen. Behandelt wird mit Antibiotika. Dazu kommen oral Amoxicillin oder Doxycyclin in Frage. Es gibt auch intravenöse Behandlungsschemata etwa mit Ceftriaxon. Ob der orale oder der intravenöse Ansatz günstiger ist, ist umstritten.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Diagnostik bei Kindern

Kombination aus FAST und AST: sensitiver Score bei stumpfem Bauchtrauma

Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Ergänzung zu Antibiotika?

Mit intravaginaler Ascorbinsäure gegen bakterielle Vaginose

Review

RAS-Blocker präoperativ eher nicht absetzen?

Lesetipps