Ärzte Zeitung, 11.01.2005

Neues retardiertes Präparat für Zappelphilippe

Wirksubstanz wird je zur Hälfte schnell oder verzögert freigesetzt / Mittel ist bis in die Hausaufgabenzeit wirksam

KÖLN (hsr). Für Kinder und Jugendliche mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gibt es eine neue Retardformulierung von Methylphenidat: Das nur einmal täglich einzunehmende Psychostimulans wirkt vom Vormittag in der Schule bis hinein in die Hausaufgabenzeit.

Das neue Präparat (Medikinet® retard 10 und 20 mg) wirkt über acht Stunden. Mit einer zweistufigen Galenik wird die Substanz zur Hälfte schnell und zur Hälfte verzögert freisetzt: über unbeschichtete Pellets sofort binnen 30 Minuten und über beschichtete Pellets drei bis vier Stunden später.

Die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit des Mittels ist in zwei Multicenterstudien belegt worden, wie Professor Manfred Döpfner vom Universitätsklinikum Köln berichtet hat. In einer vierwöchigen Studie bei 85 sechs- bis 16jährigen ADHS-Patienten wurde das Präparat in einer normalen Schulsituation mit Placebo verglichen. Auf einem Fragebogen beurteilten die Lehrer Veränderungen in der ADHS-Symptomatik während des Unterrichts. Die Eltern registrierten darüber hinaus nachmittags bei den Hausaufgaben die Fortschritte im Verhalten ihrer Kinder, wie Döpfner auf einer Pressekonferenz des Unternehmens Medice in Köln berichtet hat.

Nach Angaben des Kinder- und Jugendpsychiaters sprachen dabei 72 Prozent der Patienten auf das Medikament an, auf Placebo 26 Prozent. 29 von 34 Lehrern erkannten in der Verumgruppe einen positiven Effekt, der meist bis 13 Uhr anhielt, 27 von 36 Lehrern registrierten in der Placebogruppe hingegen keine Wirkung. Die signifikanten Ergebnisse wurden durch die Einschätzung der Eltern untermauert.

Die Ärzte stellten mit Hilfe der Substanz bei 28 von 43 Kindern gute bis sehr gute Effekte fest, unter Placebo nur bei vier von 42 Patienten. Die Eltern bezeichneten die Wirksamkeit des neuen Präparats bei 26 von 43 Kindern als gut bis sehr gut, unter Placebo nur bei zweien.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »