Ärzte Zeitung, 17.02.2005

Hormon verhilft kleinwüchsigen Kindern zu normaler Statur

Mit Somatropin können kleinwüchsige Vierjährige bis zur Einschulung normale Körpergröße erreichen / Täglich subkutane Injektionen nötig

FRANKFURT/MAIN (hsr). Kindern, die bei der Geburt für die Schwangerschaftsdauer zu klein sind und das Längendefizit in den ersten Lebensjahren nicht ausgleichen, hilft eine frühzeitige Behandlung mit dem rekombinanten Wachstumshormon Somatropin.

"Kleinwüchsige Vierjährige erreichen mit einer solchen Therapie nach zwei bis drei Jahren die Wachstumswerte Gleichaltriger und sind dann zur Einschulung normal groß", so Professor Michael Bernd Ranke vom Universitätsklinikum Tübingen.

Wie der Kinder-Endokrinologe auf einer Veranstaltung in Frankfurt am Main berichtet hat, kommen in Deutschland jährlich 24 000 dieser als SGA (Small for Gestational Age)-Neugeborene bezeichnete Kinder auf die Welt. Knapp 90 Prozent von ihnen holten das Längendefizit in den ersten Lebensmonaten auf, nur jedes zehnte dieser Kinder bleibe dauerhaft kleinwüchsig, auch als Erwachsener, sagte Ranke auf einer Pressekonferenz des Unternehmens Pfizer.

Als mögliche Ursachen für SGA gelten unter anderem Nikotin- oder Alkoholabusus der Mütter, Stoffwechselerkrankungen, Chromosomenstörungen, pränatale Infektionen der Feten oder Insuffizienz, Infarkt und Gefäßfehlbildungen der Plazenta. Die perinatale Mortalität der SGA-Neugeborenen ist um das Drei- bis Fünffache ebenso erhöht wie die Morbidität durch ein verstärktes Risiko etwa für Hypoglykämien, Atemnotsyndrom sowie Infektionen.

Warum diese Kinder, die schon vor der Geburt nicht richtig gewachsen sind, auch nach der Geburt zu klein bleiben - der Größenverlust beträgt verglichen mit Normalgeborenen im Durchschnitt elf Zentimeter -, ist nach Aussage von Ranke bisher nicht eindeutig geklärt. Für die Regelung der Körpergröße habe das System des Wachstumshormons (WH) zwar eine wichtige Funktion. Denn immerhin 50 von 125 Zentimetern der Größe von Erwachsenen seien darauf zurückzuführen. Doch ein Mangel an WH habe bei SGA vermutlich keine vorrangige Bedeutung. Vielmehr scheine die Wirkung von Wachstumshormon und/oder Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktoren im Vergleich zur Norm vermindert zu sein.

"Diese leichte Hormonresistenz läßt sich aber durch Gabe ausreichend hoher WH-Mengen überwinden", meinte Ranke. Das biotechnisch hergestellte Somatropin, etwa Genotropin®, sei wie das Insulin ein Eiweißhormon. Das nach zehnjähriger Erfahrung sehr sichere Mittel sollte, so die Empfehlung des Pädiaters, ab dem vierten Lebensjahr täglich ins Unterhautfettgewebe gespritzt werden. Durch feine Nadeln und Hilfsmittel wie Pens sei dieses nahezu schmerzfrei möglich.

Studien haben seinen Angaben zufolge ergeben, daß die Wirkung nicht nur vorübergehend ist, sondern auch die Erwachsenengröße beeinflußt. Ein Zugewinn von mehr als zehn Zentimetern durch diese Behandlung sei durchaus realistisch. Ausschlaggebend sei allerdings, so Ranke, mit der Behandlung frühzeitig zu beginnen: "Wachstumsprobleme bei SGA-Neugeborenen müssen vor der Pubertät geregelt werden."

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