Ärzte Zeitung, 17.05.2005

"Für Kinder ist eine Klinik ein fremder Ort, wo ihnen fremde Menschen wehtun"

Experten geben Tips, wie man Kinder auf einen Krankenhausaufenthalt vorbereitet

Von Gregor Haschnik

Ein Krankenhausaufenthalt ist kein Kinderspiel. Wenn die Kleinen in die Klinik kommen, müssen sie sich von vielen vertrauten und geliebten Dingen trennen: vom eigenen Bett, vom Spielplatz um die Ecke und von Mamas guter Küche. Gleichzeitig gehören viele neue, zum Teil angsteinflößende, Dinge zum Alltag: Spritzen, Schläuche oder Stethoskope. Hinzu kommen die körperlichen Schmerzen, die die Krankheit verursachen kann. Daß Kinder Angst vor dem Krankenhaus haben, ist daher ganz natürlich.

Gerhard Harrer vom Hedwig-Klinikum in Regensburg surft mit einem Patienten im Internet. Foto: dpa

"Für Kinder ist ein Krankenhaus zunächst einmal ein fremder Ort, wo ihnen fremde Menschen wehtun", sagt Kinderarzt Rainer Süßenguth. Doch der Krankenhausaufenthalt muß nicht zu einem Albtraum werden. Eltern sollten ihre Kinder - wenn beispielsweise eine Operation geplant ist - unbedingt auf die Tage in der Klinik vorbereiten.

Kliniken bieten Kinderführung

"Dadurch können viele Ängste abgebaut werden", begründet der Kinderarzt. Hierzu gibt es unter anderem viele Bilderbücher und Hörspiele, die zeigen, wie es in einem Krankenhaus aussieht und was dort geschieht. Einige Kliniken bieten auch schon vorab spezielle Führungen für Eltern und Kinder an.

Am wichtigsten ist jedoch das offene Gespräch mit dem Kind - vor und während der Zeit im Hospital. "Die Eltern sollten ihrem Kind auf verständliche Weise erklären, wieso es ins Krankenhaus muß und was dort passieren wird", em-pfiehlt Süßenguth. Dabei ist Ehrlichkeit das oberste Prinzip: "Wenn Eltern ihr Kind anlügen und sagen, daß eine Spritze nicht wehtut, verlieren sie sein Vertrauen. Dies kann zur Folge haben, daß das Kind niemanden mehr an sich heranläßt."

Stattdessen sollten Eltern ihren Sprößlingen klar machen, daß die Pikser helfen, wieder gesund zu werden. So können Kinder Verständnis für die Behandlung entwickeln und besser mit dem Schmerz klarkommen.

Doch auch auf das richtige Krankenhaus komme es an: "Kranke Kinder gehören in ein Kinderkrankenhaus oder zumindest auf eine Kinderstation", sagt die Sprecherin des Aktionskomitees "Kind im Krankenhaus", Julia von Seiche-Nordenheim. Nur dort könne man den speziellen Bedürfnissen von Kindern gerecht werden. "Das fängt schon beim Personal an: Nur Kinderärzte und Kinderkrankenschwestern können richtig mit kranken Kindern umgehen. Sie wissen beispielsweise, wie man möglichst schmerzfrei Blut abnimmt."

Aber auch die Einrichtung der Zimmer muß kindgerecht sein: "Kinder brauchen - je nach Alter und Interessen - Spielzeug, Malsachen, Bücher oder einen Computer." Außerdem sollte die Speisekarte die kulinarischen Vorlieben der Heranwachsenden berücksichtigen: "Kassler mit Grünkohl ist natürlich nichts für Kinder. Sie mögen Würstchen, Spaghetti und Kartoffelbrei", so Seiche-Nordenheim.

Darüber hinaus sollten Kinder während ihres Krankenhausaufenthaltes Kontakte zu gleichaltrigen Leidensgenossen knüpfen können: "Auf diese Weise tauschen sie Erfahrungen aus und unterstützen sich gegenseitig." Vor allem aber sollten Mama und Papa stets zu Besuch kommen dürfen. Dies ist in den meisten Kinderkrankenhäusern möglich.

Teddybär von zu Hause vermittelt Geborgenheit

Vielerorts können die Eltern - gegen eine geringe Aufwandspauschale - sogar im Zimmer ihres Kindes übernachten. Und was sollten die Eltern während des Krankenhausaufenthaltes für ihren Nachwuchs tun? "Sie können ihrem Kind Sicherheit und Geborgenheit geben, indem sie ihm beispielsweise den Teddybären oder die Bettwäsche von zu Hause mitbringen", rät Julia von Seiche-Nordenheim. Darüber hinaus sollten sie auch im Krankenhaus die Entwicklung der Kleinen fördern: "Damit ihre Kinder nichts verlernen, sollten Eltern auch in dieser Zeit unbedingt mit ihnen basteln, malen oder lesen. Das bringt die Kleinen voran und lenkt ein wenig von der Krankheit ab", empfiehlt Seiche-Nordenheim.

"Am wirkungsvollsten ist eine zärtliche Umarmung"

Am wichtigsten sind jedoch Kommunikation und körperliche Nähe, meint die Expertin: "Die Eltern müssen ihren Kindern zuhören und ihre Fragen geduldig und ehrlich beantworten. Denn ihre Sprößlinge haben ein Recht darauf zu erfahren, was mit ihnen geschieht. Am wirkungsvollsten ist aber immer noch eine zärtliche Umarmung."

Infos in Büchern und im Internet:

Weitere Informationen zum Thema "Kinder im Krankenhaus" gibt es auf den Internetseiten des Aktionskomitees "Kind im Krankenhaus" unter www.akik.de sowie etwa in folgenden Kinderbüchern:

  • "Finchen im Krankenhaus" (Dressler Verlag, 1995, 8,50 Euro, ISBN: 3791514229);
  • "Heute gehe ich ins Krankenhaus" (Ellermann-Verlag, 2004, 8,50 Euro, ISBN: 377075932X) und
  • "Bald bist du wieder gesund" (Verlag Betz, 1999, 12,90 Euro, ISBN: 321910777X).

(ddp)

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