Ärzte Zeitung, 23.05.2005

Wachstumshormone geben auch zu klein Geborenen Länge

Kleinwuchs kann mit kognitiven Defiziten assoziiert sein

MAINZ (ku). Die Behandlung mit Wachstumshormon ist nicht nur als Substitutionstherapie indiziert. Von einer Therapie mit Wachstumshormon profitieren auch Kinder, die mit geringer Körperlänge oder niedrigem Gewicht auf die Welt gekommen sind und bis zum Alter von zwei Jahren kein Aufholwachstum gezeigt haben.

SGA-Kinder (small for gestational age) nennt man die Kinder, deren Körpergewicht oder -länge bei der Geburt mindestens zwei Standardabweichungen (2 SD) unter dem Mittelwert liegen. Die meisten SGA-Kinder holen das Defizit schnell auf. Das berichtete Professor Helmuth-Günther Dörr von der Klinik für Kinder und Jugendliche der Universität Erlangen bei einer Veranstaltung von Pfizer in Mainz.

Bei SGA-Kindern, die im Alter von zwei Jahren immer noch mindestens 2 SD unter dem Mittelwert liegen, ist davon auszugehen, daß sie unbehandelt bis ins Erwachsenenalter deutlich kleiner als der Durchschnitt der Population bleiben. Das sind etwa zehn Prozent der bei der Geburt zu kleinen Kinder.

Werden diese SGA-Kinder einige Jahre lang mit Wachstumshormon behandelt, dann erreichen sie eine Körpergröße im Bereich des Normalen. Das haben Studien ergeben, die in den USA im Sommer 2001 zur Zulassung von Wachstumshormon zur Langzeittherapie von SGA-Kindern geführt haben.

In Europa ist Wachstumshormon (vom Unternehmen als Genotropin® angeboten) seit Juli 2003 zur Therapie von SGA-Kindern zugelassen. Und zwar ab einem Alter von vier Jahren, wenn die Körpergröße dann immer noch 2,5 SD unter dem Mittelwert der Referenzpopulation liegt, wenn die Kinder langsamer wachsen als der Durchschnitt und wenn sie im Vergleich zu ihren Eltern klein sind.

Kleinwuchs von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist auch mit kognitiven Defiziten und psychischen Störungen assoziiert, wie aus großen populationsbezogenen Studien hervorgeht. Diese Studien hat Dr. Meinolf Noeker, der am Zentrum für Kinderheilkunde der Universität Bonn den psychologischen Dienst leitet, in Mainz vorgestellt.

Bei der Entscheidung für eine Therapie mit Wachstumshormonen sei nicht allein die Steigerung von Wachstumsgeschwindigkeit und Endgröße ausschlaggebend. Man wolle durch die Behandlung auch die neurokognitiven und psychosozialen Entwicklungsrisiken der Kinder mindern, sagte der Psychologe. Wie wirksam die Therapie in dieser Hinsicht ist, wird derzeit noch geprüft.

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