Ärzte Zeitung, 11.10.2007

Eltern üben korrekten Umgang mit ADHS-Kindern

Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom macht Eltern aggressiv / Hausärzte können nach Weiterbildung Elterntraining anbieten

NÜRNBERG (fvw). Nicht nur Kinder mit Aufmerksamkeits-Defizit- Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) brauchen eine Behandlung. Auch Eltern können von einem speziellen Training für den Umgang mit ADHS-Patienten besonders profitieren.

Mutter unterstützt ihr Kind mit ADHS beim Lernen. Foto: BilderBox

Ein solches Training erleichtert den Alltag betroffener Familien und trägt dadurch auch zu einem Erfolg der Therapie bei den Kindern bei.

Die ständige Überaktivität von Kindern mit ADHS macht Eltern aggressiv. Es kommt zu Überreaktionen, und die Kinder fühlen sich ständig ungerecht behandelt. "Bei vielen Kindern mit ADHS kann man eine stark ausgeprägte Sozialstörung beobachten", hat Dr. Rüdiger Penthin auf einem Symposium des Unternehmens UCB in Nürnberg berichtet. Solche Sozialstörungen werden durch eine aggressive oder vernachlässigende Erziehung von überforderten Eltern begünstigt, so der Kinder- und Jugendarzt aus Schönberg in Schleswig- Holstein.

Ein Ziel des Elterntrainings ist es, einen positiven Umgang mit ADHS-Betroffenen zu lernen. Wenn sich die Kinder zum Beispiel angemessen verhalten, darf das nicht als selbstverständlich hingenommen werden. Eltern sollten lernen, darauf zu achten und ihre Kinder dann auch entsprechend zu loben.

Bei dem Training lernen Eltern zudem, wie sich im Alltag angemessene Regeln für die Kinder aufstellen lassen. Außerdem werden Strategien entwickelt, um Konflikte konstruktiv zu bewältigen.

Kinder- und Jugendärzte aber auch Allgemeinmediziner können sich verhaltenstherapeutisch weiterbilden und dann ein solches Elterntraining anbieten, sagte Penthin. Ärzte könnten mit einer Zulassung zur Verhaltenstherapie für Erwachsenengruppen das Training zulasten der GKV abrechnen, und zwar vor allem, wenn die Praxis als sozialpsychiatrisches Zentrum fungiert. Das Elterntraining könne auch als IGeL angeboten und dann über GOÄ abgerechnet werden.

Psychoedukative Maßnahmen bei ADHS sind oft ohne medikamentöse Therapie der Kinder nicht sinnvoll. Zu den Mitteln der ersten Wahl gehöre Methylphenidat, sagte Penthin. Sowohl schnell freisetzende Präparate als auch Retard-Präparate (etwa Equasym® Retard) sind erhältlich. Besonders bei Tics oder Angststörungen ist auch Atomoxetin eine Option.

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