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Verbindliche Einladungen bringen mehr Kinder zur Vorsorge

Wie kann man noch mehr Eltern dazu bewegen, ihre Kinder zu den Vorsorge-Untersuchungen zu bringen? Die Zentrale Stelle in Berlin weiß die Antwort: mit verbindlichen Einladungsbriefen. Diese Methode hat Erfolg - und trägt auch zum Kinderschutz bei.

Angela MisslbeckVon Angela Misslbeck Veröffentlicht:
Ein Pädiater und ein Kind bei der Vorsorge-Untersuchung U9.

Ein Pädiater und ein Kind bei der Vorsorge-Untersuchung U9.

© Klaus Rose

BERLIN. Ein verbindliches Einladungssystem kann die Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen verbessern und trägt zum Kinderschutz bei. Das ist das Fazit nach zwei Jahren mit der Zentralen Stelle in Berlin.

Für alle Vorsorgeuntersuchungen war die Inanspruchnahme 2011 höher als 2010. Besonders für die wenig genutzten Vorsorgen U7a, U8 und U9 zeigen sich deutliche Steigerungen bei den bei der KV Berlin abgerechneten Untersuchungen.

"Das Verfahren greift tatsächlich an den Stellen, wo es Schwierigkeiten gab", schließt daraus der Leiter der Zentralen Stelle, Dr. Oliver Blankenstein.

300.000 Rückmeldungen und 141.000 Einladungsbriefe

Die Zentrale Stelle bei der Universitätsklinik Charité kontrolliert, ob Kinder zu den Vorsorgeuntersuchungen vorgestellt werden.

Dazu senden Kinderärzte Barcode-Etiketten der vorgestellten Kinder an die Zentrale Stelle. Sie gleicht die Barcodes mit den verzeichneten Kindern der entsprechenden Altersgruppe ab.

Knapp 300.000 Rückmeldungen aus Kinderarztpraxen hat die Zentrale Stelle bis Ende März 2012 bearbeitet. 141.000 Einladungsbriefe hat sie nach diesem Datenabgleich an Familien verschickt.

Wird das Kind auch auf die Einladung hin nicht dem Kinderarzt vorgestellt, schaltet die Zentrale Stelle den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD) des zuständigen Berliner Bezirks ein. 70.000 Mal hat sie den KJGD informiert.

Rund ein Achtel der an die KJGDs gemeldeten Familien nahmen nach der Kontaktaufnahme durch den KJGD weitere Beratungsleistungen in Anspruch, die nicht mit der Untersuchung in Zusammenhang stehen. 4,6 Prozent der Familien wurden danach weiter betreut.

"Wir erreichen Familien in schwierigen Situationen und können den Beratungsbedarf durch die KJGDs auch decken", sagt Blankenstein.

Die meisten Hausbesuche bei Familien machten die KJGDs nach seinen Angaben in den Bezirken Mitte, Neukölln und Lichtenberg. Neunmal wurde dabei eine Gefährdung des Kindeswohls festgestellt.

"Ergebnisse rechtfertigen den Aufwand"

Die Zentrale Stelle hat einen Jahresetat von 300.000 Euro aus Landesmitteln. Zusätzlich wurden in allen Bezirken je zwei zusätzliche Stellen im KJDG und im Jugendamt dafür vorgesehen.

Weil die Jugendämter aber kaum eingeschaltet werden, sollen diese Stellen nun dem KJGD zugeschlagen werden.

"Die Ergebnisse rechtfertigen den Aufwand", sagte die Dekanin der Charité Professor Annette Grüters-Kieslich.

Obwohl sie die Kindervorsorgen für sehr effektiv hält, unterstützt sie wie Blankenstein die Forderung der Kinderärzte nach einer inhaltlichen Weiterentwicklung. "Mehr vorausschauende Beratung" sei nötig, so Grüters-Kieslich.

Blankenstein verwies drauf, dass Kinder heute andere Gesundheitsprobleme haben als vor 30 Jahren, als die Untersuchungen konzipiert wurden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Zur Vorsorge einladen, aber zeitig

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