Ärzte Zeitung online, 10.10.2016

EBM-Anpassung

Pädiater warten weiter

Die neuen Kinderrichtlinien ist seit fast sechs Wochen in Kraft – doch die EBM-Anpassung steht noch immer aus. Auf dem Pädiaterkongress gibt es dafür harsche Kritik.

Von Raimund Schmid

Pädiater warten weiter

Früherkennungsuntersuchung: Die EBM-Anpassung für die neuen Richtlinien steht noch aus.

© Dan Race / fotolia.com

BAD ORB. Dass die neuen Kinderrichtlinien trotz des Inkrafttretens am 1. September noch immer keine Kassenleistung sind, sorgt bei Pädiatern für großen Unmut. Das wurde beim 44. Herbstkongress des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVJK) deutlich.

BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach befürchtet gar, dass sich KBV und Krankenkassen erst im Frühjahr 2017 über die fälligen Honoraranpassungen im EBM einig sein werden.

Dabei wird es insbesondere darum gehen, wie die künftig aufwendigeren und umfassenderen Früherkennungsuntersuchungen U1 bis U9 honoriert werden und wie die neuen Leistungen – eine verpflichtende Impfberatung, Mukoviszidose-Screening für alle Neugeborene sowie intensivere Untersuchungen der Sprachentwicklung und der Seh- und Hörfähigkeit – vergütet werden (die "Ärzte Zeitung" berichtete).

BVKJ deutet auf Anstieg

Der BVKJ geht davon aus, dass die Honorare für die Kindervorsorgen – derzeit sind das rund 35 Euro – "deutlich" ansteigen werden.

Aufgrund der erneuten Verzögerung ging Fischbach zum Auftakt des Kongresses mit der Politik und den Kostenträgern hart ins Gericht, weil sich wieder einmal "überdeutlich" gezeigt habe, wie gleichgültig den politisch Verantwortlichen eine gute Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sei.

Bis zur EBM-Anpassung bleiben für alle Vertragsärzte, die Kindervorsorgen bis zur U9 abrechnen, die bisherigen Leistungsbestandteile gültig.

Ein weiterer Beleg für die kritisierte Gleichgültigkeit sei die hartnäckige Weigerung der Krankenkassen im GBA, die vom BVKJ geforderte psychosoziale Anamnese im Rahmen der Kindervorsorgen zu etablieren und zu honorieren.

Von Kassen abgeschmettert

Der Einsatz des dafür prädestinierten Mannheimer Elternfragebogens sei von den Kassen abgeschmettert worden – doch nur mit diesem Fragebogen wäre es möglich gewesen, die emotionale sowie die kognitiv-perzeptive Entwicklung insbesondere entwicklungsgefährdeter und sozial benachteiligter Kinder frühzeitig aufzudecken, erklärte Fischbach.

Es sei daher eine große Chance verpasst worden, die Kinderrichtlinien zu einem "Meilenstein für die Früherkennung" weiter zu entwickeln.

Besonders "bitter" sei dies insbesondere für die rund 1,9 Millionen Kinder in Deutschland, die als arm gelten. Mit den jetzigen Instrumentarien der Früherkennung könnten die gravierenden Entwicklungsdefizite und gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Kinder aus armen Familien, die mit einem "Maximum an Problemen" aufwachsen, kaum gelöst werden.

Und das sei längst keine Minderheit mehr, stellte Kongressleiter Klaus-Michael Keller in Bad Orb fest. So wachse heute fast jedes siebte Kind unter Armutsbedingungen auf. Das seien 52.000 Kinder mehr als 2011.

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