Ärzte Zeitung, 09.07.2004

Immer mehr Sportler vertrauen auf Akupunktur

Nadeln werden bei der Schmerzbekämpfung, für den Muskelaufbau oder zur Linderung von Allergien gesetzt

NEU-ISENBURG. Akupunktur wird inzwischen über alle medizinischen Fachbereiche hinaus zum therapeutischen Einsatz gebracht, so auch bei der Behandlung von Sportlern - vor allem zur Schmerzbekämpfung, aber auch zur Unterstützung für einen schnelleren Muskelaufbau und zur verbesserten Koordination. Tour-Mitfavorit Jan Ullrich ist einer der prominentesten Sportler, die auf Akupunktur vertrauen. Im vergangenen Jahr ließ er sich Nadeln gegen seine Pollen-Allergie setzen.

Von Alexandra Schöllkopf

Der Arzt Thomas Klimaschka setzt dem Tour-Mitfavoriten Jan Ullrich Akupunktur-Nadeln. Ullrich erhofft sich dadurch Linderung seiner Pollen-Allergie. Fotos: dpa

Eine von den Krankenkassen in Auftrag gegebene großangelegte Studie an über 200 000 Patienten hat die Wirksamkeit der Akupunktur in der Schmerztherapie belegt, nachweislich bei Rücken-, Kopf- und Arthroseschmerzen.

Über eine direkte Wirkung auf schmerzleitende Nervenbahnen sowie einer meßbaren Veränderung von körpereigenen Hormonen ist eine effektive Schmerztherapie durch Akupunktur nachgewiesen. Ebenso lassen sich muskelentspannende sowie allgemein entspannende und durchblutungsfördernde Wirkungen nachweisen.

Zum Einsatz kommen verschiedene Formen der Akupunktur: die Ohr-, Schädel- und Körperakupunktur sowie die Triggerpunkt-Akupunktur zur effektiven Muskelentspannung, mit oder ohne Wärmebehandlung (Moxibustion).

Die Therapie wird normalerweise zwei- bis dreimal wöchentlich in einer 20minütigen Sitzung vorgenommen. Verwendet werden fünf bis 15 Einmal-Akupunkturnadeln. Insgesamt sind zwischen zwei und zehn Behandlungssitzungen notwendig, je nach Akutzustand und Aufwendigkeit der Beschwerden.

Die Akupunktur bietet sich sowohl für Breiten- als auch für Leistungssportler an. Da die Therapie nahezu nebenwirkungsfrei ist und jeder Dopingkontrolle standhalten kann, ist das Einsatzspektrum im Sport groß.

Typische hartnäckige und schmerzhafte Probleme beim Sportler stellen vor allem muskuläre Überlastungsbeschwerden im Schulter-Nacken-Bereich, Rücken, Gesäß-, Oberschenkel- und Unterschenkelmuskulatur sowie Sehnenansatzschmerzen im Bereich der Achillessehne oder beim Tennisellenbogen dar. Diese werden am besten durch eine Kombination aus Körper- und Triggerpunkt-Akupunktur behandelt.

Deren deutliche muskelentspannende Wirksamkeit ist mittels Elektromyographiemessung nachweisbar. Die Akupunktur bietet sich ebenso bei akuten Schmerzsyndromen verschiedenster Art an: sowohl beim akuten Hexenschuß, beim Schiefhals, bei Verstauchungen als auch bei einer Sehnenscheidenentzündung.

Darüber hinaus ist die Behandlung bei Problemen im Kniegelenkbereich wie das Patellaspitzen-Syndrom, knorpelbedingten Schmerzen und nach vorderem Kreuzbandriß als effektive Therapieform anzuwenden. Zur Erhaltung einer Bewegungs- und Sportfähigkeit bei beginnenden Arthroseschmerzen kann die Akupunktur, in Kombination mit Physiotherapie und Muskelaufbautraining, schmerztherapeutisch unterstützend wirken. Nicht zu vergessen ist die allgemein entspannende Wirkung der Akupunktur-Behandlung, die vor allem in der Wettkampfphase zum Einsatz kommen kann.

Gerade Sportler stellen hohe Anforderungen an ihre Körper und somit auch an eine möglichst nebenwirkungsfreie Therapie. Eine schnelle, effiziente und schmerzfreie Wiederaufnahme ihrer Sportfähigkeit ist das zu erreichende Ziel. Die Akupunktur kann hierbei bei vielen sportbedingten Schmerzsyndromen gut eingesetzt werden.

Dr. Alexandra Schöllkopf ist Assistenzärztin in der Simsee-Klinik Bad Endorf, Fachbereich Orthopädie, und seit 1997 Mitglied in der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur.

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