Ärzte Zeitung, 31.07.2007

Kammerbeschluss zur Akupunktur bringt einige Ärzte in die Bredouille

Im Südwesten gibt es zu wenige Angebote, um Qualifikationsnachweise zu erwerben

STUTTGART. Über 10 000 Patienten haben nach Schätzung der AOK Baden-Württemberg bereits auf Krankenschein die Schmerztherapie mit Akupunktur in Anspruch genommen. Abrechnungszahlen für die erste Jahreshälfte 2007 liegen jedoch noch nicht vor.

Bei chronischen Rücken- und Knieschmerzen übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Akupunkturbehandlung. Foto: DAK

Von Marion Lisson

Seit Jahresanfang zahlen Krankenkassen bundesweit Akupunktur-Behandlungen bei chronischen Knie- und Rückenschmerzen als Regelleistung. Patienten nehmen dieses Angebot bundesweit gut an.

Etwa 1500 Ärzte in Baden-Württemberg seien derzeit berechtigt, Akupunktur auf Kassenkosten abzurechnen, sagt der baden-württembergische AOK-Chef Dr. Rolf Hoberg. Die teilnehmenden Ärzte sollten möglichst Qualifikationen in der Schmerztherapie und Psychosomatik aufweisen, fordert der Kassenchef. "Qualitätssicherung ist und wichtig", beteuert Hoberg.

Zusatz-Weiterbildung wurde im Südwesten abgelehnt

Genau hier jedoch liegt für viele Mediziner, die künftig ebenfalls Akupunktur in ihren Praxen anbieten wollen, das Problem. Die Landesärztekammer hat bundesweit als einzige nicht die Zusatz-Weiterbildung Akupunktur eingeführt. Entsprechend bietet sie auch keine Qualifikationskurse an.

Vertragsärzte, die Akupunktur als Kassenleistung anbieten wollen und die erforderlichen Qualifikationen anstreben, müssen daher derzeit längere Anfahrtswege und die Suche nach geeigneten Kursangeboten auf sich nehmen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hatte im Herbst 2006 festgelegt, dass Mediziner, die Akupunktur anbieten wollen, ab Januar 2007 - aber spätestens nach der Übergangsfrist, also ab Januar 2008 - eine qualitativ hochwertige Ausbildung zur Akupunktur von 200 Stunden vorweisen müssen. Nachweise zu schmerztherapeutischen und psychosomatischen Qualifikationen, wie sie auch AOK-Chef Hoberg fordert, gehören dazu.

Für einige Ärzte könnte es deshalb eng werden, ab Januar 2008 noch Akupunktur als Kassenleistung anbieten zu können. Der Grund: Die Mediziner, die nach den Vorgaben des GBA noch in diesem Jahr Qualifikationen für Akupunktur nachreichen müssen, können im Südwesten nicht auf die Hilfe der Kammer zurückgreifen.

Genehmigungen werden nur befristet ausgestellt

"Es könnte knapp werden, alle erforderlichen Qualifikationsstunden zusammen zu bringen", warnen Niedergelassene aus Nordbaden.

Über 1000 niedergelassene Ärzte sind derzeit in Baden-Württemberg bereit, Akupunktur als Kassenleistung zu erbringen. Dies hatte kürzlich eine Anfrage der Techniker Krankenkasse bei den vier Bezirksdirektionen der KV ergeben. Ärzte, die derzeit die Akupunktur abrechnen wollen, benötigen die Genehmigung der Selbstverwaltung.

Der Großteil der Ärzte, die noch Nachweise erbringen müssen, erhalten diese Genehmigung derzeit jedoch nur befristet ausgestellt. Im Sommer 2006 hat die Landesärztekammer mit ihrer Ablehnung der Weiterbildung Akupunktur ein Signal setzen wollen. Die Aufnahme der Akupunktur in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen haben die Delegierten der Kammerversammlung damals mehrheitlich abgelehnt.

AOK sieht mit Akupunktur Patienten im Vorteil

"Gerade bei Patienten mit chronischen Schmerzen im Rücken und in den Knien ist die Akupunktur-Therapie der bisher üblichen Standard-Behandlung klar überlegen", heißt es dagegen bei der AOK.

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