Direkt zum Inhaltsbereich

Serum-Magnesium ist nicht aussagekräftig!

Bei Schwangeren einen Magnesium-Mangel zu objektivieren, ist nicht ganz einfach. Daher sollte man sich in der täglichen Praxis am besten an klinischen Symptomen orientieren, raten Experten.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Mangelt's an Magnesium? Klinische Symptome sind am aussagekräftigsten.

Mangelt's an Magnesium? Klinische Symptome sind am aussagekräftigsten.

© PeJo / fotolia.com

NEU-ISENBURG. In der Schwangerschaft geht man wegen des Wachstums des Fötus im Uterus von einem erhöhten Magnesium-Bedarf der Frauen aus. Einen Magnesium-Mangel zu objektivieren, ist jedoch nicht ganz einfach.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) benötigen schwangere Frauen pro Tag eine Zufuhr von 310 mg Magnesium pro Tag, unter 19-jährige Schwangere 350 mg und stillende Mütter 390 mg pro Tag. Zum Vergleich: Die gesunde erwachsene Frau soll etwa 300 mg täglich aufnehmen.

Ob im Einzelfall bei Schwangeren ein Magnesium-Mangel vorliegt, kann durch Bestimmung des Serumspiegels, der im Normalfall zwischen 0,8 und 1,1 mmol/l (1,95 bis 2,68 mg/dl) liegen sollte, letztlich nicht sicher geklärt werden.

Denn 95 Prozent des Minerals befinden sich intrazellulär. Normalwerte schließen also einen intrazellulären Mangel nicht aus. Hinzu kommt, dass in der Schwangerschaft das Plasmavolumen zunimmt und damit ein physiologischer Verdünnungseffekt bei allen Parametern entsteht, die im Plasma bestimmt werden. Und schließlich kann der Magnesium-Bedarf auch genetisch bedingt individuell verschieden sein.

Daher orientiert man sich in der Praxis an klinischen Symptomen wie Obstipation, nächtlichen Wadenkrämpfen oder Muskelzuckungen in anderen Körperregionen. Auch vermehrte Kopfschmerzen, Schlafstörungen und verminderte Konzentrationsfähigkeit können auf einen Magnesium-Mangel hindeuten.

Mit dem Magnesiumretentionstest ist es prinzipiell möglich, einen chronischen Mangel zu sichern. Dazu wird die Magnesium-Konzentration im 24-Stunden-Sammelurin bestimmt und mit jener Konzentration nach einer intravenösen Magnesium-Belastung verglichen.

Werden dabei weniger als 60 Prozent des infundierten Magnesiums ausgeschieden, spricht dies für einen Mangelzustand.

Physiologische Funktionen des Magnesiums

  • Mg ist essenziell für den ATP-abhängigen Energiestoffwechsel und Kofaktor von mehr als 300 Enzymen.
  • Mg ökonomisiert die Pumpfunktion des Herzens und ist ein Vasodilatator.
  • Mg stabilisiert Mastzellen.
  • Mg hemmt die Thrombozytenaggregation.
  • Mg stabilisiert die Zellmembran und beeinflusst damit unter anderem Muskelkontraktionen.
  • Mg ist Bestandteil der Knochenmatrix.
  • Mg hemmt die präsynaptische Acetylcholin-Freisetzung.
  • Mg ist beteiligt am Hormonstoffwechsel und der Nukleinsäuresynthese.
Mehr zum Thema

Studie mit Älteren

Hat Abnehmen (k)einen Effekt auf Vorhofflimmern?

Hautärztliche Empfehlungen

Welche Ernährung bei Akne ratsam ist

Medizin aus dem Kochtopf

Wie Ernährung die altersbedingte Makuladegeneration beeinflusst

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb.  1: Indikationsübergreifendens Therapie-Monitoring in den ersten Behandlungszyklen mit Ribociclib beim HR+/HER2- Brustkrebs

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Früher und metastasierter HR+/HER2- Brustkrebs

Einfach und konsistent: indikationsübergreifendes Therapie-Management mit Ribociclib

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Pro & Contra

Betablocker nach Herzinfarkt – Standard oder Einzelfallentscheidung?

Hautärztliche Empfehlungen

Welche Ernährung bei Akne ratsam ist

Lesetipps
Hausarzt Florian Vorderwülbecke mit seiner Tasche

© Vincenz Vorderwülbecke

Auf Haus- und Heimbesuch

Die perfekte Hausbesuchstasche: Worauf Sie beim Packen achten können

Viel hilft viel? Die Studienlage zu Probiotika ist im besten Falle durchwachsen.

© Romario Ien / stock.adobe.com

Dissens in Bezug auf Wirksamkeit

Wem oder wogegen helfen Probiotika?

In Deutschland machen frühe Erkrankungen mit Darmkrebs (EOCRC), also vor dem 50. Lebensjahr circa 5 Prozent der Neudiagnosen aus.

© Dmytro / stock.adobe.com

Registerauswertung aus neun Bundesländern

Mehr Darmkrebs-Neudiagnosen bei Jüngeren in Deutschland