Ärzte Zeitung, 16.01.2004

Wie Gene gemeinsame Nervenzellaktivität im Gehirn steuern

Heidelberger Neurobiologin erforscht molekularbiologische Grundlagen synchroner Netzwerkaktivität / Leibniz-Preisträgerin 2004

HEIDELBERG (bd). Die Heidelberger Neurobiologin Professor Hannah Monyer ist einer der elf Leibniz-Preisträger 2004. Sie erforscht mit ihrer Arbeitsgruppe die molekulare Grundlage synchroner und oszillatorischer Netzwerkaktivität.

Monyer ist Leiterin der Abteilung Klinische Neurobiologie an der Neurologischen Uniklinik in Heidelberg. In ihrer Forschung geht es um die Identifizierung von Schlüsselgenen, deren Expression in GABAergen Interneuronen synchrone und oszillatorische Netzwerkaktivität kontrollieren oder modulieren: Die synchrone Aktivität von Nervenzellen in Zellverbänden ist bei der Entstehung von Repräsentationen der Welt im Gehirn von entscheidender Bedeutung.

Durch diese neuronale Aktivität läßt sich erklären, wie verschiedene Merkmale eines Objekts - etwa Farbe, Form und Bewegung - zusammengeführt werden und so die Wahrnehmung des Objekts als Ganzes erst möglich wird.

Die Forscher um die Neurobiologin wollen wissen, welche Gene und welche Eiweißmoleküle in welchen Zellen die synchrone Aktivität von Nervenzellen in einem Netzwerk bestimmen. Die Verleihung des Leibniz-Preises ist vorläufiger Höhepunkt einer erstaunlichen Karriere.

Von klein auf habe sie gewußt, daß sie in die medizinische Forschung gehen würde, hat Monyer einmal erklärt. Sie war kaum 18 Jahre alt, als die gebürtige Rumänin mit einem Gastvisum in die Bundesrepublik reiste und Heidelberg gezielt ansteuerte. Dort beendete sie ihre Schulausbildung und absolvierte ihr Medizinstudium.

Nach der Approbation arbeitete Monyer einige Jahre als Ärztin in der kinder- und jugendpsychiatrischen Abteilung am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim sowie an der Unikinderklinik in Lübeck. Nach einem dreijährigen Aufenthalt als Postdoc am Stanford University Medical Center in Kalifornien entschied sie sich endgültig für die Forschung.

Nach der Habilitation an der Heidelberger Universität in Biochemie 1993 übernahm sie 1999 die Hermann- und Lilly-Schilling Stiftungsprofessur für Klinische Neurobiologie. Als herausragende Wissenschaftlerin erhielt sie 1999 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Mit der Verleihung des höchst dotierten Forschungspreises in Deutschland, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgelobt wird, erhält sie 1,55 Millionen Euro.

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