Ärzte Zeitung, 26.02.2004

Suizid-Gene sollen Krebszellen töten

Gentherapien bei Krebs werden in Deutschland derzeit in 35 klinischen Studien geprüft

BERLIN (nsi). Bei der Erforschung von Strategien zum klinischen Gentransfer sind Deutschland und Großbritannien die führenden Nationen, so Professor Klaus Cichutek, Vorsitzender der Kommission Somatische Gentherapie bei der Bundesärztekammer. In Deutschland sind bisher 55 klinische Gentherapie-Studien genehmigt worden, davon 35 zu Krebserkrankungen.

Meist werden zwei Methoden zur Gentherapie bei Krebs verwendet: Entweder versuchen die Forscher, das Immunsystem tumorspezifisch zu stimulieren, damit es Krebszellen erkennt und abtötet. An solchen Tumorvakzinen wird in Deutschland etwa zur Therapie bei malignem Melanom in klinischen Versuchen geforscht, hieß es im Vorfeld des Deutschen Krebskongresses, der morgen in Berlin beginnt.

Das zweite Prinzip ist, Suizid-Gene in die Tumorzellen einzuschleusen. Solche Gene sollen das Wachstum unterdrücken oder die Krebszellen absterben lassen. Ein Beispiel dafür sind klinische Phase-I-II-Studien der Universität Mainz: Professor Roland Buhl und Kollegen haben erfolgreich das Tumorsuppressorgen p53 in Zellen nicht-kleinzelliger Bronchialkarzinome (NSCLC) bei Patienten übertragen. Das entsprechende Eiweiß wird synthetisiert. Den Verlauf der Erkrankung konnten die Forscher aber bisher nicht aufhalten.

Die Prinzipien lassen sich auch kombinieren. Dr. Andreas Block vom Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf hat einen Vektor entwickelt, der sowohl ein Suizid-Gen in Kolonkarzinomzellen schleust als auch ein Zytokin-Gen, welches die Immunantwort verstärkt. Buhl will nun die Wirkung des Gentransfers in NSCLC ebenfalls mit einem Interferon-Gen verstärken.

Die Gentherapie kann auch indirekt dazu beitragen, die Krebstherapie zu verbessern. In Deutschland wurde eine Strategie entwickelt, um die Graft-versus-Host-Reaktion nach Stammzelltransplantation bei Leukämiepatienten zu kontrollieren. In die Spenderzellen wird ein Suizidgen eingeschleust, welches quasi auf Knopfdruck wirkt, wenn eine weitere Arznei gegeben wird. So lassen sich die fremden Stammzellen gezielt abtöten, sobald eine Graft-versus-Host-Reaktion dem Patienten schadet.

Weitere Infos zum Kongreß gibt es unter www.krebskongress2004.de

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