Ärzte Zeitung, 28.06.2004

Humangenomprojekt ist ein doppelter Erfolg

Aus dem deutschen Projekt entwickelten sich über 750 Publikationen / 14 Unternehmen wurden gegründet

BERLIN (gvg). Zum Abschluß des Deutschen Humangenomprojekts (DHGP) haben Wissenschaftler die Erfolge gewürdigt und auf die wirtschaftliche Bedeutung der Genforschung hingewiesen. Zugleich warnten sie davor, daß Deutschland die internationale Führungsposition, die es sich erarbeitet habe, wieder verlieren könne.

Der DHGP-Nachfolger "Nationales Genomforschungsnetz" erhält in den nächsten drei Jahren 135 Millionen Euro. Doch die Finanzierung dieser Forschung müsse hier um den Faktor zehn erhöht werden, um auch künftig international konkurrenzfähig zu bleiben, so die vier wissenschaftlichen Koordinatoren des DHGP auf einer Veranstaltung in Berlin.

Zwischen 1995 und 2004 wurde das DHGP mit knapp 200 Millionen Euro gefördert. "Trotz dieses im internationalen Vergleich moderaten Einsatzes öffentlicher Mittel war der wissenschaftliche Output aus dem DHGP sehr hoch", findet Professor Martin Hrabé de Angelis vom Helmholtz-Forschungszentrum in München.

Aus dem DHGP seien über 750 wissenschaftliche Veröffentlichungen hervorgegangen, 63 davon in den zehn führenden biomedizinischen Journalen. Es sei außerdem gelungen, namhafte Genetiker nach Deutschland zu holen und deutsche Forscher zu einer Rückkehr in die Heimat zu bewegen.

Aus dem DHGP heraus erfolgten über 40 Patentanmeldungen und 14 Unternehmensgründungen. Kommerzielle Verwertbarkeit darf aber nicht das einzige Kriterium für die Vergabe öffentlicher Mittel sein, wie Hrabé de Angelis betonte. Derzeit bestehe die Gefahr, daß einige international sehr beachtete Projekte nicht weitergeführt werden könnten, weil sie für die Deutsche Forschungsgemeinschaft zu groß und für das Nationale Genomforschungsnetz nicht anwendungsnah genug seien.

Langfristig sei das ein Fehler, weil von den in der Grundlagenforschung entwickelten Methoden indirekt auch die Anwender profitierten. Dr. Helmut Blöcker vom Deutschen Biotechnologie-Forschungszentrum in Braunschweig. "Wir sollten die Wasserleitungen, die wir verlegt haben, jetzt auch nutzen und nicht freiwillig auf das kühle Naß verzichten."

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