Ärzte Zeitung, 27.10.2004

KOMMENTAR

Fokus auf adulte Stammzellen

Von Peter Leiner

Es vergeht kaum ein Monat, in dem in Wissenschaftsjournalen nicht über Erfolge der Stammzellforschung berichtet wird. Es geht dabei außer um tierische Zellen auch um Zellen von Menschen, sowohl um embryonale als auch um adulte Stammzellen. Und immer mehr Forscher entdecken bei Erwachsenen in vielen Organen Zellen, die das Entwicklungspotential von Stammzellen haben.

Jüngstes Beispiel sind Stammzellen aus der Netzhaut, die nicht nur in den Augen von Säuglingen vorhanden sind, sondern selbst noch bei über 70jährigen existieren. Die Zellen haben therapeutisches Potential, weil sie in der Lage sind, nach Injektion ihren Platz im Auge zu finden.

Offenbar gibt es also mehr adulte Stammzellen als bisher gedacht, die sich eines Tages therapeutisch nutzen lassen könnten. Ein Grund mehr, das Schwergewicht der Forschung künftig auf adulte humane Stammzellen zu legen und parallel nur noch embryonale Stammzellen von Tieren für die Grundlagenforschung zu verwenden, um aus dem ethischen Dilemma zu kommen. Denn um embryonale Stammzellen zu bekommen, müssen Embryonen zerstört werden. Wer an den Beginn des Lebens bei der Befruchtung glaubt, für den ist das nicht akzeptabel.

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