Ärzte Zeitung, 11.11.2004

KOMMENTAR

Potential darf nicht verspielt werden

Von Peter Leiner

Innerhalb nur weniger Jahre hat es eine Forschungsmethode, mit der zunächst nur Genfunktionen analysiert wurden, geschafft, sich zu einem Therapie-Werkzeug zu entwickeln: die RNA-Interferenz.

Dabei wird gezielt die für die Eiweißsynthese erforderliche Blaupause eines Gens zerstört. Manche Wissenschaftler feiern die bei der Methode verwendeten Nukleinsäure-Komplexe schon jetzt als Zauberkugel gegen alle Krankheiten, weil sich damit Gene ganz gezielt stummschalten lassen.

In nur sechs Jahren wurde die Methode so verfeinert, daß sie schon bei Tieren als systemische Therapie genutzt werden konnte. Bei allen Krankheiten, an deren Entstehung Gene beteiligt sind, kann die bei Pflanzen entdeckte RNA-Interferenz theoretisch therapeutisch genutzt werden, so auch als Virostatikum und gegen Krebs.

Doch bei aller Euphorie: Es wäre fatal, die Entwicklung der Methode für die Medizin weiter zu beschleunigen. Jetzt gilt es, das Potential vorsichtig auszuloten und unerwünschte Wirkungen bei der Anwendung der Methode von vornherein so weit es geht auszuschließen. Sonst ergeht es der RNA-Interferenz wie der Gentherapie, die - ermutigt durch den Erfolg zu Beginn der Ära - zu früh bei Patienten geprüft wurde und um die es jetzt stiller geworden ist.

Lesen Sie dazu auch:
Stummschalten von Genen senkt den Lipidspiegel

Topics
Schlagworte
Gentechnik (2104)
Onkologie (7719)
Krankheiten
Krebs (5012)
Personen
Peter Leiner (635)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Künstliche Herzklappe raubt oft den Schlaf

Fast ein Viertel aller Patienten mit einer mechanischen Herzklappe klagt über Schlafstörungen. Die Ursache hat eine einfache Erklärung. mehr »

Alle wichtigen Videos vom Ärztetag

Digitalisierung, Angst vor Veränderung, Wunschminister: Die Ärztezeitung fasst für Sie die wichtigen Themen von Tag 1 und 2 des Ärztetags in kurzen Videos zusammen. mehr »

"Digitalisierung lässt sich nicht klein hoffen"

Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten, die Ärzte sollten sich daher aktiv daran beteiligen, appellierte der Blogger Sascha Lobo auf dem Ärztetag. mehr »