Ärzte Zeitung, 23.11.2004

KOMMENTAR

Eine einzige Analyse sagt nicht alles

Von Thomas Müller

Die forensische DNA-Analyse ist äußerst erfolgreich: Sexualstraftäter konnten damit bei Massen-Screenings überführt werden, Justizirrtümer ließen sich aufklären. Menschen, die aufgrund von falschen oder unklaren Zeugenaussagen im Gefängnis saßen oder - wie in den USA - bereits auf ihre Exekution warteten, sind dank DNA-Analyse wieder auf freiem Fuß.

Es spricht also wenig dagegen, auch in Deutschland die Gesetze so anzupassen, daß bei DNA-Analysen Merkmale wie Herkunft, Haar- und Augenfarbe untersucht werden dürfen, um damit ein möglichst genaues Täterprofil zu erzeugen.

Allerdings darf man sich von der hohen Präzision der Methode nicht blenden lassen - menschliche Fehler sind auch bei der DNA-Analyse leicht möglich: So hat schon mancher Laborant aufgrund von Verunreinigungen seine eigene DNA analysiert statt die in der Probe.

Und daß in Berlin ein Mensch unschuldig hinter Gitter mußte, weil jemand seine DNA-Probe vertauscht hat, zeigt, welche Konsequenzen es haben kann, wenn man sich auf eine einzige Analyse verläßt.

Die Methode ist sicherlich gut, doch wird sie nicht sorgfältig angewandt, läuft man Gefahr, schwere Fehler zu begehen.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Ein Phantombild aufgrund von DNA-Spuren am Tatort - das ist wohl schon in wenigen Jahren möglich

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