Ärzte Zeitung, 27.01.2005

KOMMENTAR

Die Felle schwimmen davon

Von Peter Leiner

Die großen Hoffnungen, die viele Patienten und Forscher in Deutschland in die therapeutische Verwendung von humanen embryonalen Stammzellen gesetzt haben, haben jetzt erst einmal einen gewaltigen Dämpfer bekommen. Denn für Transplantationen der aus ihnen entstehenden Zellen, etwa bei Parkinson-Patienten oder Diabetikern, ist nicht mehr zu denken: Die Zellen werden aller Voraussicht nach abgestoßen.

Damit werden auch jene Zellen, die von Forschern unter strengen Auflagen nach Deutschland importiert werden, der Grundlagenforschung in Zellsystemen oder im Tierversuch vorbehalten bleiben. Wegen der im Stammzellgesetz festgeschriebenen Stichtagsregelung wird es daher zunächst keine neuen, sauberen Zellen in Deutschland geben. Das Gesetz schreibt vor, daß nur embryonale Stammzellen importiert werden dürfen, die bis spätestens 1. Januar 2002 hergestellt worden sind.

Jetzt gilt es, Verfahren zu entwickeln, durch die die Stammzellen ohne Gefahr der Verunreinigung gezüchtet werden können. Wenn Stammzellforscher in Deutschland an einem solchen Fortschritt teilhaben wollen, muß allerdings die Stichtagsregelung geändert oder ganz aufgehoben werden.

Lesen Sie dazu auch:
Embryonale Stammzellen unbrauchbar

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