Ärzte Zeitung, 11.03.2005

"Vater" von Dolly erhält Paul-Ehrlich-Preis

Verleihung an Professor Ian Wilmut in der Pauls-Kirche in Frankfurt am Main / Forscher lehnt reproduktives Klonen ab

Von Paul-Ehrlich-Preisträger 2005 Professor Ian Wilmut fest im Blick: das ausgestopfte Klon-Schaf Dolly. Foto: dpa

Von Peter Leiner

Meilensteine des Klonens
1914

Hans Spemann überträgt erstmals Zellkern von Molch-Embryonen

1962

John Gurdon klont fortpflanzungsfähige Frösche aus bereits differenzierten Zellen

1979

Steen Willadsen klont Schafe durch Teilen früher Embryonen

1981

Karl Illmensee und Peter Hoppe behaupten, drei Mäuse durch Kerntransfer geklont zu haben. Versuche wurde nie wiederholt

1983

James McGrath und Davor Solter machen einen Kerntransfer zwischen zwei befruchteten Eizellen

1986

Willadsen klont Schafe mit Kernen aus Embryozellen

1993

Jerry Hall teilt menschliche Embryonen (Embryo-splitting), aber setzt sie nicht in den Uterus ein

1996

Ian Wilmut klont das Schaf Dolly mit dem Kern einer adulten Zelle

1997

Li Meng und Don Wolf klonen Affen aus Embryo-Zellkernen

1998

Teruhiko Wakayama klont 50 Mäuse aus Kernen adulter Zellen, der Beweis, daß Dolly kein Zufall war

1999

Ziegen und Kühe geklont

2003

US-Forscher von Advanced Cell Technology klonen menschlichen Embryo bis zum 16-Zell-Stadium

2004

Südkoreanische Forscher isolieren Stammzellen aus geklontem menschlichem Embryo
Quelle: John Gurdon, Tabelle: ÄRZTE ZEITUNG

Am Montag wird in der Frankfurter Pauls-Kirche ein Mann mit dem Paul-Ehrlich-Preis 2005 geehrt, der die Welt der Embryologie revolutioniert hat - und möglicherweise nicht nur das.

Denn weil er 1997 mit der Geburt des Schafes Dolly bewiesen hatte, daß sich nicht nur Amphibien erfolgreich klonen lassen, sondern auch Säugetiere, ist der Versuch, erstmals Menschen zu klonen, wohl nicht mehr in weiter Ferne.

Tatsächlich haben nach weiteren geklonten Tieren - Katzen, Rinder, Ziegen, Maultiere, Affen - südkoreanische Forscher 2004 erstmals die Dolly-Methode erfolgreich angewendet, um menschliche Klon-Embryonen zu schaffen.

Aus diesen isolierten sie dann Stammzellen. Zur Erinnerung: Bei der Dolly-Methode wird - vereinfacht gesprochen - der Nukleus einer adulten Zelle in eine Eizelle verpflanzt, deren Kern entfernt wurde.

Aus Sorge darüber, daß versucht wird, auch Menschen zu klonen, mehren sich inzwischen die Stimmen gegen das Klonen. Allerdings gibt es hier zwei Fraktionen. Die einen wollen nur das reproduktive Klonen verbieten und das Forschungsklonen zu therapeutischen Zwecken weiterhin erlaubt sehen. Die anderen wollen ein totales Verbot.

Nachdem sich die Mehrheit des UN-Rechtsausschusses für ein totales Klonverbot ausgesprochen hatte, entschied sich in dieser Woche auch die UN-Vollversammlung für ein totales Verbot.

Weltweit werden Regierungen aufgefordert, ein Verbot für alle Formen des Klonens von Menschen in ihrer Gesetzgebung zu verankern. Diese Empfehlung ist aber unverbindlich (wir berichteten).

Was er vom Menschenklonen hält, hat Wilmut von Anfang an der Öffentlichkeit gesagt. Bereits in seinem Buch "The Second Creation" von 2000, das in Deutschland unter dem Titel "Dolly" erschienen ist, betont er mit seinem Kollegen Keith Campbell, daß sie das Klonen von Menschen "für eine ziemlich unerfreuliche Zukunftsaussicht, medizinisch überflüssig und prinzipiell abstoßend" halten. Sie lehnen das Klonen von Menschen ab.

Diese Haltung wiederholt hat Wilmut gemeinsam mit dem Stammzellforscher Rudolf Jaenisch im Aufruf "Don‘t Clone Humans!" in "Science" (291, 2001, 2552). Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Allerdings wird Wilmut in Großbritannien, wo das Forschen mit menschlichen Embryonen erlaubt ist, schon bald mit Hilfe der Dolly-Methode versuchen, eine Methode zu entwickeln, menschliche Stammzellen für die Therapie zu gewinnen.

Wilmut plant, Hautzellen von Patienten mit einer Motorneuronen-Erkrankung für das Klonen zu verwenden. Deren Zellkern wird er dann in zuvor entkernte Eizellen schleusen, die Frauen speziell für diese Forschung gespendet haben.

So entstandene Eizellen werden dann aktiviert. Nach fünf bis sechs Tagen wird der entstandene Embryo zerstört, und die embryonalen Stammzellen für die weitere Forschung werden entnommen.

Die britische Behörde HFEA (Human Fertilization & Embryology Authority), die vor kurzem Wilmuts Antrag bewilligt hat, betont, daß die in den Versuchen gewonnenen Zellen nicht für die Therapie verwendet werden.

Lesen Sie dazu auch:
Niemand glaubte an Erfolg
Wie Dolly möglich wurde
Über das Klonen von Menschen

Forschungs-Leiter am Roslin-Institut

Der 1944 geborene Ian Wilmut leitet am Roslin-Institut in Midlothian bei Edinburgh die Abteilung "Gen-Expression und Entwicklung". Promoviert wurde der Paul-Ehrlich-Preisträger 1971 in Cambridge in England.

Dreimal erlangte er danach die Zusatz-Qualifikation "Doctor of Science" (DSc), und zwar 1998, 1999 und 2002. Für seine Forschungsleistungen wurde er mehr als zehn Mal ausgezeichnet, etwa mit dem Ernst Schering Research Foundation-Preis 2002.

 

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