Ärzte Zeitung, 02.05.2006
KOMMENTAR
Gentherapie mit Zeit und Geduld
Von Peter Leiner
Die Sicherheitsvorkehrungen, die sich Gentherapeuten spätestens seit dem Tod des jungen US-Amerikaners Jesse Gelsinger nach einer Gentherapie vor fast sieben Jahren selbst auferlegt haben, reichen offenbar längst nicht aus, um Rückschläge aufgrund von Nebenwirkungen zu vermeiden.
Anders ist es nicht zu erklären, wie es dazu kommen konnte, daß Kinder in Frankreich - wie berichtet - nach einer Gentherapie an Krebs erkrankt sind. Die Schlußfolgerung, die jetzt Forscher ziehen, die gentherapeutischen Methoden im Tierversuch länger als bisher zu erproben, ist deshalb richtig. Die Wissenschaftler beziehen sich dabei auf ihre Studie, in der bei Mäusen Tumoren nach einer Beobachtungszeit bis zu eineinhalb Jahren entdeckt wurden. Auch bessere Tiermodelle für die Erkrankungen, gegen die eine Gentherapie entwickelt wird, sind vielleicht erforderlich.
Es dürfen - wie es grundsätzlich ja auch in der Pharmakologie gilt - bei der Gentherapie eben nicht nur die kurzfristigen Erfolge im Blickfeld liegen, sondern auch die möglichen Spätfolgen, wie es die beteiligten Wissenschaftler selbst fordern. Damit ließe sich die Sicherheit der Gentherapie in Zukunft deutlich erhöhen.
Lesen Sie dazu auch:
Therapeutisch genutztes Gen kann Krebs auslösen

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