Ärzte Zeitung, 06.09.2006

KOMMENTAR

Traum von billigen Antikörpern

Von Thomas Müller

Große Mengen von Antikörpern in Pflanzen zu produzieren - das ist ein Traum für viele Forscher. Mit einer neuen Methode deutscher Forscher könnte der Traum vielleicht Realität werden: Ihnen gelang es nicht nur, Antikörper in hoher Konzentration in Tabakblättern herzustellen, sie konnten die Antikörper bereits innerhalb von zwei Wochen ernten.

Das Verfahren bietet damit eine völlig neue Perspektive: Es könnte eines Tages die mühevolle Produktion von monoklonalen Antikörpern aus Säugetierzellen überflüssig machen.

Denn damit lassen sich bisher nur kleine Mengen herstellen - und das führt dazu, daß die Therapiekosten mit Antikörpern sehr hoch sind und die Substanzen oft nur angewandt werden, wenn etwa in der Krebstherapie oder bei rheumatoider Arthritis andere Optionen versagt haben.

Ließen sich Antikörper billig und schnell produzieren, könnte man ihr Anwendungsgebiet erweitern, sie auch gegen Infektionen verwenden, etwa gegen einen Pandemie-Erreger. Zu früh sollte man sich allerdings nicht freuen: Bisher sind alle Versuche gescheitert, Antikörper in Pflanzen wirtschaftlich zu produzieren. Und die Forscher müssen erst noch zeigen, daß ihre Antikörper auch in vivo funktionieren.

Lesen Sie dazu auch:
Forscher stellen Antikörper in Tabakpflanzen her

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