Ärzte Zeitung, 08.12.2006

KOMMENTAR

Potente Gentherapie

Von Thomas Müller

Gentherapien sind meistens sehr kompliziert. Oft werden Viren verwendet, die das therapeutische Gen an sein Ziel bringen sollen, und das tun sie oft mehr schlecht als recht. Daher haben Gentherapien selten die Erwartungen erfüllt, die in sie gesetzt wurden. Möglicherweise ist das beim männlichen Geschlechtsorgan anders: Es ist gut erreichbar, und was in den Schwellkörper injiziert wird, bleibt dort für lange Zeit, ohne in andere Körperbereiche zu diffundieren.

Daher könnte man auf Viren als Gen-Vektoren verzichten. Reicht tatsächlich reine DNA aus, um genug Therapie-Gene in die glatte Penismuskulatur zu schleusen, wäre die Methode äußerst simpel. Dann bräuchten Männer nach einer einmaligen Injektion vielleicht über Monate hinweg keine Potenzpillen mehr zu nehmen.

Daß sich Potenz-Probleme so einfach lösen lassen, davon sollte man aber nach der ersten Gentherapie-Studie mit einem Kalium-Kanal-Gen noch lange nicht ausgehen. Die Forscher haben im Vergleich zu Tierversuchen sehr wenig DNA verwendet, um sicherzugehen, daß keine Schäden auftreten. Ob auch weit höhere Dosen sicher sind, muß jetzt geprüft werden.

Höhere Gen-Dosen werden aber nötig sein, denn niedrige Dosierungen hatten in der Studie keinen Effekt. Zu klären ist auch, weshalb nur zwei von fünf Männern mit der etwas höheren Dosis auf die Therapie angesprochen haben.

Möglicherweise ist die Methode nur für einen Teil der potenzschwachen Männer geeignet.

Lesen Sie dazu auch:
DNA-Injektion in den Penis läßt potenzschwache Männer hoffen

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