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Stammzellen im Reisegepäck

ROSTOCK (ddp). Flug nach San Francisco, kurze Nacht im Hotel, Krankenhaus und wieder Flug zurück via Frankfurt nach Hamburg - diesmal hat alles wie am Schnürchen geklappt. Die letzten Meter rennt Katrin Runge fast den Flur der Onkologischen Station der Rostocker Uniklinik entlang. Dann übergibt sie die Kühlbox mit dem Transfusionsbeutel dem Ärzteteam.

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Rund 25 000 Kilometer hat sie im wahrsten Sinne des Wortes im Eiltempo zurückgelegt, um Menschenleben zu retten. Die 28-jährige Johanniterin ist eine Globetrotterin. Sie bringt Stammzellen von Knochenmarkspendern aus aller Herren Länder nach Rostock, wo sie als vielleicht letzte Rettung für einen todkranken Patienten transplantiert werden.

Die Anspannung fällt sichtlich von der jungen Frau. In den vergangenen Tagen hat sie kaum ihre orangefarbene Dienstjacke der Johanniter-Unfall-Hilfe ausgezogen, "damit man weiß, wer ich bin und warum ich unterwegs bin", sagt sie. Seit sechs Jahren übernehmen Rostocker Johanniter den Transport von Knochenmarkspenden nach Deutschland.

Das Rostocker Universitätsklinikum hatte erstmals in Deutschland die Fracht der lebensrettenden Knochenmark-Stammzellen in "fremde" Hände gegeben. Wird in Rostock ein Patient behandelt, für den man über die deutsche Spenderkartei keine geeigneten Stammzellen finden kann, wird die Suche auf Europa und Übersee ausgeweitet. Innerhalb kurzer Zeit müssen Flüge und Übernachtungen gebucht, die Papiere vorbereitet und die Fluggesellschaften informiert werden. "Wir überlassen nichts dem Zufall. Das Zeitfenster, in dem das Knochenmark vom Spender zum Empfänger kommen muss, ist nicht sehr groß", erklärt Frank Baudisch, Regionalleiter der Johanniter in Rostock.

Stammzellen müssen wie ein rohes Ei behandelt werden

Die Stoppuhr beginnt zu ticken, sobald das Immunsystem des todkranken Empfängers gezielt zerstört wurde. Das ist nötig, damit die neuen und gesunden Stammzellen besser toleriert werden. Das vom Spender entnommene Knochenmark muss daher schnell zum Kranken, gleichzeitig aber auch wie ein rohes Ei behandelt werden. Die Temperatur der Stammzellen muss immer zwischen zwei und acht Grad Celsius liegen, sie dürfen nicht geschüttelt und vor allem am Abfertigungsschalter auf dem Flughafen nicht geröntgt werden. Den Koffer lässt Runge nie aus Augen, schon wegen der Temperaturanzeige nicht. Trotz aller Vorkehrungen musste sie schon einmal auf dem Flughafen umkehren. Die Entnahme hatte in der Klinik so lange gedauert, dass sie ihr Flugzeug verpasst hatte.

Eine gute Reiseorganisation ist unabdingbar

Katrin ist zweiter Kurier der Johanniter. "Als ich sie gefragt habe, ob sie sich das vorstellen könne, hat sie nur ‚Ja‘ gesagt, sonst nichts. Da dachte ich: Entweder weiß sie nicht, was sie erwartet oder sie weiß es ganz genau", erzählt ihr Chef. Sie wusste es offenbar sehr genau. "Sie organisiert alles selbst, das ist auch gut, denn so hat sie gleich mit jedem persönlichen Kontakt, vom Flughafen bis zum Entnahmeteam", sagt Baudisch.

Zu Hause in Deutschland wird sie auf der letzten Etappe oft von einem Kollegen begleitet, aber aus der Hand gibt sie die Verantwortung erst im Krankenhaus. Sie weiß, dass jemand auf ihre lebensrettende Fracht wartet. Das macht den Auftrag noch persönlicher. "Ich erkundige mich später auch immer, ob es dem Patienten gut geht. Das will ich schon wissen", sagt sie.

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