Ärzte Zeitung, 22.11.2007

KOMMENTAR

Neue Erkenntnisse, aber keine Sensation

Von Peter Leiner

Wie mit allen "Sensationen" und "Durchbrüchen" ist auch die Nachricht mit Vorsicht zu genießen, dass sich humane ausgereifte Zellen der Haut in einen sehr frühen Entwicklungszustand zurück versetzen, also reprogrammieren lassen.

Zum einen müssen diese Ergebnisse erst noch bestätigt werden, um sie für die Therapie nutzen zu können, etwa für die Gewinnung von Gewebe. Zum anderen ist die Ausbeute derzeit sehr gering: Nur aus einer von etwa 5000 adulten Zellen entwickelten sich Kolonien, deren Zellen embryonalen Stammzellen sehr ähnlich waren.

Den beteiligten Forschern ist klar: Frühestens in fünf Jahren wird es möglich sein, für die Therapie geeignete Zellen zu entwickeln. Aber: Ein Anfang ist gemacht, wenn auch nur für die Grundlagenforschung.

Der Erfolg der Stammzellforscher wird jetzt wohl vor allem forschungspolitisch ausgeschlachtet werden. Für die einen ist er Beleg dafür, auf humane embryonale Stammzellen verzichten zu können und deshalb das Stammzellgesetz nicht antasten zu müssen. Für die anderen ist die weitere Forschung zur Reprogrammierung ohne embryonale Stammzellen gar nicht möglich. Für eine Änderung des Gesetzes braucht es allerdings mehr als eine "Sensation".

Lesen Sie dazu auch:
Alternative zu Embryozellen entwickelt

Topics
Schlagworte
Gentechnik (2104)
Personen
Peter Leiner (635)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

"GOÄ-Novelle bis Ende 2017 ist sportliches Ziel"

Wann kommt die neue GOÄ? Im Interview mit der "Ärzte Zeitung" verrät GOÄ-Verhandlungsführer Dr. Reinhard genaueres. mehr »

"Harte Hand" schadet dem Schulerfolg

Den Lebenswandel eines Kindes kann ein sehr strenges Elternhaus negativ beeinflussen, belegt eine Studie. mehr »