Ärzte Zeitung, 25.01.2008

BUCHTIPP DES TAGES

Welchen Status haben extrakorporale Embryonen?

Spätestens seit den jüngsten Forschungserfolgen bei der Herstellung humaner embryonaler Stammzellen - etwa durch Klonen oder durch Reprogrammierung - ist die Diskussion über die Erforschung dieser Zellen wieder entbrannt. Wie berichtet hatten Forscher eines US-Unternehmens berichtet, sie hätten erstmals humane Embryonen jeweils aus einer Hautzelle geklont.

Stammzellen konnten sie daraus allerdings noch nicht herstellen. Und Forschern aus Japan und den USA ist es gelungen, die Entwicklungsuhr von Hautzellen mit nur wenigen Molekülen soweit zurückzudrehen, dass die entstandenen Zellen jenen von humanen embryonalen Stammzellen sehr ähneln. Derzeit nutzen Forscher weltweit Zellen, die von übriggebliebenen Embryonen nach einer In-vitro-Fertilisation aus der inneren Zellmasse einer wenige Tage alten Blastozyste gewonnen wurden.

Soll der Stichtag, bis zu dem solche Zellen aus abgetöteten Embryonen gewonnen werden, aus dem Jahr 2002 in das Jahr 2007 verschoben werden? Wird die Zerstörung von Embryonen, die im Zusammenhang mit einer IVF entstanden sind, solch eine Verschiebung vorantreiben? Welchen moralischen, ethischen, juristischen Status haben überhaupt Embryonen, die außerhalb des Körpers entstanden sind? Entwickelt sich ein Embryo zum Menschen - oder entwickelt er sich als Mensch?

"Der Status des extrakorporalen Embryos in interdisziplinären Perspektiven" war das Thema eines Verbundprojekts, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde. Die wesentlichen Ergebnisse dieses Projekts können jetzt in dem vorliegenden Band "Der Status des extrakorporalen Embryos" nachgelesen werden.

Wissenschaftler aus elf Disziplinen an Universitäten und Max-Planck-Instituten in Tübingen, Heidelberg und Freiburg haben sich an dem Projekt beteiligt, darunter Mediziner, Biologen, Ethiker und Theologen. Herausgegeben hat es Professor Giovanni Maio von der Universität Freiburg. Die Themen des Bandes reichen vom Status des extrakorporalen Embryos etwa aus theologischer und juristischer Perspektive über die Einstellung von Biowissenschaftlern zur Embryoforschung bis zur Regelung des Embryonenschutzes in Deutschland sowie international. Das Buch mit mehr als 700 Seiten bereichert die derzeitige wieder heftig geführte Diskussion und trägt dazu bei, sie zu versachlichen. (ple)

Giovanni Maio (Hrsg.): Der Status des extrakorporalen Embryos - Aus der Reihe "Medizin und Philosophie", Band 9. Verlag Frommann-Holzboog, Stuttgart 2007, 760 Seiten, 98 Euro, ISBN-13: 9783772824258.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »