Ärzte Zeitung, 21.05.2008

KOMMENTAR

Keine guten Signale aus Großbritannien

Von Peter Leiner

Großbritannien entwickelt sich offenbar zum Land der unbegrenzten Möglichkeiten - zumindest für Wissenschaftler, die sich der Embryonen- und Stammzellforschung verschrieben haben. Das lässt die Abstimmung im Unterhaus befürchten.

Klare Unterlegene der Abstimmung sind etwa die Gegner einer Forschung, bei der Stammzellen aus Hybrid-Embryonen auf der Grundlage von tierischen und menschlichen Zellen gewonnen werden. Und unterlegen sind auch jene, die nicht wollen, dass der Hauptgrund für die künstliche Zeugung eines Kindes nicht das Kind selbst ist, sondern mögliche Heilungschancen seines erkrankten Geschwisters mithilfe des nun verfügbaren gesunden Gewebes.

Das ist keine gute Entwicklung. Denn die Risiken beim Vermischen von tierischem und menschlichem Erbgut für die Embryonalentwicklung sind viel größer als der Nutzen für die Stammzellforschung. Zudem ist dieses Vermischen über Artgrenzen hinweg unnatürlich.

Schließlich ist die Möglichkeit zur Selektion von in vitro gezeugten Embryonen nach Gewebe-Merkmalen der Anfang einer Ausweitung der Selektionskriterien vor der Implantation. Welch eine Vorstellung für einen Menschen, nur deshalb auf der Welt zu sein, damit sein Bruder gesund wird, nicht aber um seiner selbst willen!

Noch ist das alles in Großbritannien nicht Gesetz. Aber die Zeichen stehen dort auf eine weitere Aufweichung des Embryonenschutzes. Keine guten Zeichen!

Lesen Sie dazu auch:
Briten für freizügigere Embryoforschung
Forschung mit Hybriden bleibt verboten

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Adiopositas-Op nötig, aber Kasse will nicht zahlen

Wenn der Antrag eines Adipositas-Patienten auf eine bariatrische Operation abgelehnt wird, bringt das Ärzte in eine schwierige Situation. Denn oft verschlechtert sich der Zustand des Betroffenen. mehr »

9 wichtige Forderungen, Analysen, Informationen

Fleißige Delegierte: In Freiburg wurde wieder eine große Palette an Themen abgearbeitet. mehr »

Versorgungswerke sitzen auf 184 Milliarden Euro

Auf die Frage nach der Leistungsfähigkeit der Versorgungswerke tut sich die Bundesregierung mit dem Blick in die Glaskugel schwer. Die Anzahl der Rentenempfänger werde wohl weiter deutlich zunehmen. mehr »