Ärzte Zeitung, 10.12.2004

Mit Lava-Homöopathikum gegen Fersensporn

Beispiele für homöopathische Zubereitungen mit bewährter Indikation / Option bei akuten und chronischen Verletzungen

Ein Klassiker in der homöopathischen Medizin ist Arnica. Bei Stürzen und Verletzungen jeder Art setzen viele Ärzte auf homöopathische Zubereitungen der Pflanze Arnica montana. Auf der Medica in Düsseldorf informierten Spezialisten über diese und weitere, auch weniger bekannte homöopathische Arzneimittel

Urtinkturen wie diese bilden die Grundlage für die Herstellung homöopathischer Zubereitungen. Foto: Bastian

Von Kerstin Nees

"In der Homöopathie unterscheidet man grundsätzlich zwei Vorgehensweisen: Den Ansatz über bewährte Indikationen und den Ansatz der klassischen Homöopathie, wo jeder Patient ein individuelles Heilmittel bekommt", erklärt Dr. Michael Elies aus Laubach. Der Allgemeinmediziner mit Zusatzbezeichnung Homöopathie und Naturheilverfahren hat auf der Medica die Veranstaltung "Homöopathie in Klinik und Praxis" der Karl- und Veronica-Carstens-Stiftung geleitet.

Bei klinischen Indikationen, für die es zwei oder drei bewährte homöopathische Arzneimittel gibt, richtet sich die Anwendung der Mittel nach den Leitsymptomen, so Elies. Eine umfangreiche homöopathische Diagnose sei bei diesem Ansatz nicht notwendig.

Bei Nervenverletzungen hat sich Hypericum bewährt

Bewährte homöopathische Arzneimittel in der Sportmedizin seien beispielsweise Arnica, Bryonia, Hypericum, Rhus toxicodendron und Symphytum. Arnica montana (Bergwohlverleih) ist wohl das bekannteste Verletzungsmittel in der Homöopathie.

Bei Verletzungen nervenreichen Gewebes, zum Beispiel bei einem Schleudertrauma der Halswirbelsäule, kann nach Angaben von Elies aber auch Hypericum versucht werden. Denn Johanniskraut schafft besonders bei traumatischen Nervenschäden und neuralgischen Beschwerden Linderung. Symphytum (Beinwell) wiederum unterstützt das Zusammenwachsen von Knochen. Bei Bänderzerrung, Verrenkungen oder Verstauchungen ist Rhus toxicodendron eine Option, und Bryonia (Zaunrübe) bei Gelenkergüssen.

Außer diesen Klassikern aus dem homöopathischen Arzneischrank mit einem breiten Wirkspektrum gibt es aber auch spezielle Wirkstoffe, die nur bei ganz bestimmten Störungen im Bewegungsapparat helfen. Zum Beispiel Hekla lava, ein Mittel gegen Fersensporn. Es wird aus der feinen Asche des Vulkans Hekla zubereitet, der in Island steht. "Dieses Mittel kann man auch zur Diagnose einsetzen", so Elies. "Denn: Hilft es dem Patienten, hat er einen Fersensporn. Falls nicht, ist die Ursache der Beschwerden vermutlich eine andere."

Dabei funktioniert Homöopathie nach Elies’ Erfahrungen nicht nur bei akuten Verletzungen, wo es darum geht, Schmerz und Schwellung zu beeinflussen. Auch Patienten mit chronischen Verletzungen profitierten von homöopathischen Arzneimitteln. Ebenfalls hilfreich sei ihre Anwendung nach einer Kniegelenkverletzung mit Operation.

Bewährte Indikationen gebe es aber nicht nur in der Sportmedizin und Orthopädie, sondern auch in der Kinderheilkunde und Notfallmedizin, bei Kopfschmerzen oder Lebererkrankungen. "Homöopathika werden dabei meist zusätzlich angewandt", betont Elies. "Das heißt, sie unterstützen die konventionelle Therapie, ersetzen sie aber nicht. Sie können die Heilungsdauer verkürzen, die Befindlichkeit des Patienten verbessern und Schmerzen lindern."

Elies: "Die Grenze der Homöopathie ist immer dann erreicht, wenn von Seiten der Patienten keine Reaktion auf einen Reiz erfolgen kann."

Patienten müssen ihre Beschwerden schildern können

Das heißt, akut lebensbedrohliche Zustände sind zunächst einmal keine Indikation für die Homöopathie. Schwierig werde eine homöopathische Behandlung auch, wenn die Patienten nicht in der Lage sind, ihre Beschwerden zu schildern oder wichtige Dinge verschweigen. "Alles weitere hängt von der Erfahrung des Therapeuten ab", so Elies.

Listen homöopathisch tätiger Therapeuten führt der Zentralverein für homöopathisch tätige Ärzte oder Ärzteverbände für Naturheilverfahren. Mehr Informationen dazu: www.dzvhae.com.

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