Ärzte Zeitung, 04.12.2006

Potenzen - verdünnt und verschüttelt

Wie homöopathische Arzneimittel hergestellt werden / Die meisten Ausgangsstoffe sind Pflanzen

Homöopathische Arzneimittel werden aus pflanzlichen, tierischen, organischen und anorganischen Substanzen gewonnen. 70 Prozent der 1600 Arzneistoffe, aus denen der größte deutsche Produzent, die Deutsche Homöopathie-Union (DHU) in Karlsruhe, die Mittel herstellt, sind jedoch pflanzlich.

Michael Opitz, Leiter Herstellung Konfektionierung bei der DHU, beim Verschütteln. Foto: ts

Die meisten Pflanzen, die dafür gebraucht werden, baut das Unternehmen selbst an. In der ökologisch zertifizierten Arzneipflanzenanlage Staffort bei Karlsruhe etwa wachsen zwischen 500 und 600 verschiedene Pflanzenarten.

Für Homöopathika wird oft nur wenig Stoff gebraucht

Von manchen Pflanzen gibt es nur wenige Exemplare, denn für Homöopathika wird meistens nur wenig Ausgangsstoff gebraucht. Von anderen, die für die sogenannten "Großen Mittel" verwendet werden, gibt es entsprechend viele. Und wieder andere werden auf ganzen Feldern in der Umgebung angebaut. Welche Teile geerntet werden, ob Wurzel, blühendes Kraut oder Rinde, ist im Homöopathischen Arzneibuch festgelegt.

Bei Pflanzen für Arzneien muß jede Phase dokumentiert werden. Deshalb werden die meisten in eigenen Anlagen angebaut, wo man alles kontrollieren kann. Dieselben hohen Ansprüche an die Qualität gelten auch für die anderen Ausgangsstoffe.

Die zerkleinerten Pflanzen werden mit einem Alkohol-Wasser-Gemisch angesetzt - das ist die sogenannte Urtinktur, aus der die Homöopathika hergestellt werden. Je nach Zubereitung bietet die DHU um die 400 000 verschiedene Mittel aus den 1600 Ausgangsstoffen an - als Globuli, Tropfen, Salben oder Tabletten.

Zentral in der Herstellung homöopathischer Medikamente ist das Potenzieren, also das Verdünnen. Potenz heißt es deshalb, weil ein homöopathisches Arzneimittel durch das Verdünnen eine besondere Kraft (potentia) entwickelt.

Für C-Potenzen wird im Verhältnis 1:100 verdünnt

Beim Potenzieren wird für flüssige Mittel ein Teil der Urtinktur mit neun Teilen Wasser-Alkohol-Gemisch verdünnt. Das Fläschchen wird dann jeweils zehnmal auf einen Moosgummiblock geklopft - so wird per Hand verschüttelt. Und so entsteht die Potenz D1. Verdünnt und verschüttelt man nun einen Teil D1 wiederum mit neun Teilen Wasser-Alkohol-Gemisch, erhält man die Potenz D2. Bei D-Potenzen wird im Verhältnis 1:10 verdünnt, bei C-Potenzen im Verhältnis 1:100 und bei den Hochpotenzen LM oder Q im Verhältnis 1:50 000.

Größere Mengen werden in Drei-Liter-Glasbehältern verschüttelt: Sie werden zehnmal ruckartig auf und nieder bewegt. Im Homöopathischen Arzneibuch ist vorgeschrieben, daß für jeden Potenzierungsschritt ein neues Gefäß verwendet werden muß.

Aus festen und unlöslichen Substanzen wie Mineralien müssen zuerst Verreibungen, Triturationen, hergestellt werden. Zum Potenzieren wird stufenweise mit steigenden Mengen an Laktose verdünnt. Bei kleinen Mengen wird auch das von Hand gemacht. Für die Herstellung größerer Mengen von homöopathischen Triturationen gibt es spezielle Mühlen. Ab gewissen Potenzstufen können auch aus in Alkohol unlöslichen Stoffen flüssige Zubereitungen hergestellt werden. (ug)

Weitere Beiträge zur Serie:
"Homöopathie in der Praxis"
Folge 14




Folge 13




Folge 12




Folge 11




Folge 10




Folge 9




Folge 8




Folge 7



Folge 6




Folge 5



Folge 4



Folge 3



Folge 2



Folge 1



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