Ärzte Zeitung, 15.01.2007

Gegen Magen-Darm-Krämpfe wirkt Brechnuss

Nux vomica, die Brechnuss, ist ein bewährtes Homöopathikum bei rezidivierenden Darmbeschwerden / Präparat ist ein gutes Einsteigermittel

Schlägt Dauerstress auf den Magen oder plagen Darmkrämpfe und Obstipation, kann Nux vomica die Beschwerden lindern. Foto: imago

NEU-ISENBURG (gwa). Montagmorgen: Wieder sitzt die Patientin mit den hartnäckig rezidivierenden Bauchschmerzen im Sprechzimmer. Sie ist gereizt. Am Wochenende hatten sie wieder kolikartige Oberbauchbeschwerden und Darmkrämpfe geplagt. Die Patientin beschwert sich: Alle Untersuchungen - Ultraschall, Gastro- und Koloskopien, Laboruntersuchungen - ergaben keine pathologischen Befunde. Kein Medikament hat gewirkt. Frustriert und verärgert verlangt sie, dass ihr nun endlich geholfen wird.

Wer jetzt Nux vomica in niedriger Potenz wie D12 verordnet, kann bald eine glückliche, weil beschwerdefreie Patientin haben. Eine solche Erfahrung bei einem Patienten machte jedenfalls der Internist Dr. Ulf Riker vom Homöopathischen Ärztehaus München, als er vor Jahren - damals noch ganz zaghaft - mit der Homöopathie anfing. Seit 1989 hat Riker die Zusatzbezeichnung Homöopathie.

Nux vomica, die Brechnuss, ist "ein wunderbares Mittel, wenn Dauerstress, Zeitdruck, Leistungsdruck oder Schlafmangel auf den Magen schlagen, aber noch nicht zu einer Gastritis geführt haben", sagte Riker zur "Ärzte Zeitung". Auch bei spastischer Obstipation ist Nux vomica gut geeignet. Andere geeignete homöopathische Mittel sind Lycopodium (Bärlapp) oder Magnesium.

Was die Dosierung der Potenzen betrifft, bedarf es einiger Erfahrung, sagt Riker. Kollegen, die gerade mit der Homöopathie anfangen oder es damit einmal versuchen wollen, bleiben am besten zunächst bei niedrigen Potenzen bis D12*. Gibt man etwa Nux-vomica-Globuli in dieser Potenz zwei bis drei Tage bis zu zehnmal täglich, hat man das gleiche Ergebnis wie mit einer Hochpotenz*, etwa C 200.

Die Brechnuss ist allerdings kein Allheilmittel bei jeder Form von Magen-Darm-Beschwerden. "Wenn jemand eine Verstopfung hat und sagt, ich hab tagelang Funkstille im Darm, spricht das gegen Nux vomica", so Riker. Bei atonischer Obstipation kommen etwa Alumina , also das homöopathische Aluminium, in Betracht, aber auch Graphites (Grafit), Opium oder Muskatnuss (Nux moschata oder muscata).

Reagiert ein Patient auf Stress mit Durchfällen, die auch krampfartig sein können, ist Argentum nitricum (Silbernitrat) ein gutes Mittel. Ignatia nimmt Riker etwa bei Patienten, die einen schweren Kummer oder Schicksalsschlag hinter sich haben und bei denen sich das Ganze auf den Magen geschlagen hat.

Mancher nutzt Komplexmittel als Einstieg in die Homöopathie

Zur klassischen Homöopathie gehört viel mehr, als nur ein paar Symptome abzufragen, nämlich eine fundierte Ausbildung und Erfahrung, um das jeweils passende Mittel zu finden. Deshalb sammeln Kollegen, die sich überlegen, ob Homöopathie etwas für sie sein könnte, oft erste Erfahrungen mit wenigen Einzelmitteln. Oder sie nutzen Komplexmittel aus passenden Komponenten. Mittel für Magen-Darm-Beschwerden, die auch Nux vomica und Lycopodium enthalten, sind etwa Carbo vegetabilis Pentarkan® H oder Nux vomica-Homaccord®.

*niedrige Potenzen von D1 bis D12 enthalten noch Moleküle der Ausgangssubstanz. Die Wirkdauer beträgt Minuten bis Stunden.

Hochpotenzen wie C 200 enthalten rechnerisch keine Moleküle der Ausgangssubstanz mehr, haben aber einen starken Energiegehalt und wirken Tage bis Wochen.

Quelle: Ulf Riker, Homöopathie - Leitfaden für Ihre erfolgreiche Behandlung (Broschüre für Patienten), Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte, 9 Euro, ISBN 3-939749-00-1.

Weitere Beiträge zur Serie:
"Homöopathie in der Praxis"
Folge 14




Folge 13




Folge 12




Folge 11




Folge 10




Folge 9




Folge 8




Folge 7



Folge 6




Folge 5



Folge 4



Folge 3



Folge 2



Folge 1



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