Ärzte Zeitung, 27.10.2004

Auch Rotwein und Honig beeinflussen Arznei-Spiegel

MÜNCHEN (sto). Wechselwirkungen zwischen synthetischen Arzneimitteln und Phytopharmaka stehen nach Ansicht des Berliner Pharmakologen Professor Volker Schulz zu Unrecht im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.

Viel wichtiger wäre es, den Einfluß von Nahrungs- und Genußmitteln vor allem auf Arzneimittel mit geringer therapeutischer Breite zu untersuchen, erklärte Schulz bei einer Pressekonferenz, die das Komitee Forschung Naturmedizin (KFN) in München veranstaltet hatte. Daß Grapefruit die Bioverfügbarkeit von Arzneimittel massiv verändert, sei schon seit längerem bekannt.

Vor kurzem seien nun auch Studien veröffentlicht worden, in denen gezeigt wurde, daß Bienenhonig oder Rotwein, nicht jedoch Weißwein, die Blutspiegel von Arzneistoffen in therapeutisch relevanten Größenord-nungen verändern, berichtete Schulz. Vergleichbare Untersuchungen gebe es auch für Knoblauch, Seville-Orangen, Brunnenkresse, Broccoli und verschiedene Kohlsorten.

Um die Arzneimittelsicherheit zu verbessern sollten daher bei Arznei-stoffen mit besonders geringer thera-peutischer Breite die Interaktionen sowohl mit anderen Arzneimitteln wie auch mit häufig konsumierten Nahrungs- und Genußmitteln syste-matisch untersucht werden, forderte Schulz. Entsprechende Hinweise sollten sich dann auf den Beipackzet-teln derjenigen Arzneimittel befin-den, deren Risiko aufgrund solcher möglicher Interaktionen erhöht ist.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »