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Erstmals ist der Anbau der Meisterwurz gelungen

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Mindestens eine neue Wildpflanzenart, die für Arzneimittel oder Pflegeprodukte gebraucht wird, nimmt das Unternehmen Weleda in Schwäbisch Gmünd jedes Jahr in Kultur. Jetzt wächst die Meisterwurz, mit lateinischem Namen "Peucedanum ostruthium", im Heilpflanzengarten in Wetzgau. Die Bedingungen für die Inkulturnahme hat eine Agrarwissenschaftlerin der Universität Hohenheim in ihrer Bachelorarbeit erforscht.

"Ein schöner Erfolg", freut sich Michael Straub, Leiter des Weleda-Heilpflanzengartens. Denn nicht alle Wildpflanzen lassen sich in Menschennähe holen und erfüllen die wirtschaftlichen und botanischen Erwartungen. Bisher ist die Meisterwurz am St. Gotthard in der Schweiz gesammelt worden.

Doch der Wildstandort soll entlastet werden. Aufgabenstellung der Bachelorarbeit von Eva Maria Walle war es, die Wachstumsbedingungen und die Vermehrungsart für einen geregelten Anbau der Meisterwurz herauszufinden.

"Bisher gibt es noch keinen standardisierten Feldanbau", betont Eva Maria Walle. Es hätten nur vereinzelte und unvollständige Kenntnisse über den Anbau der Meisterwurz vorgelegen - Angaben für den Nährstoffbedarf oder die Vermehrung hätten völlig gefehlt.

Besondere Aufmerksamkeit galt auch den Inhaltsstoffen der Pflanze, denn das Spektrum der Stoffe kann sich im Anbau in Süddeutschland verglichen mit Pflanzen vom Wildstandort im Gebirge verändern. "In den Alpen herrscht geringerer Luftdruck", erklärt die Agrarwissenschaftlerin, "die UV-Strahlung ist viel intensiver, Nährstoffe werden vom Gletscherwasser angeströmt, und lange, kalte Winter sind bestimmend."

Eva Maria Walle begutachtet zufrieden das Meisterwurz-Feld im Heilpflanzengarten: "Die Pflanze läßt sich gut in niederen Lagen anbauen." Auf humosem, kalkhaltigem, nährstoffreichem und lockerem Boden fühlt sich die Meisterwurz im Heilpflanzengarten wohl, so das Ergebnis der Forschung.

Wobei die Pflanze hier nicht über Samen, sondern vegetativ über Rhizome, also Erdsprosse, sehr gut vermehrt werden kann. Die Identitätsprüfung ergab, daß alle wirksamen Inhaltsstoffe der Wildform auch bei der Kulturpflanze vorhanden sind.

Die Meisterwurz ist eine traditionelle Heilpflanze. Jährlich im Frühjahr benötigt das anthroposophisch orientierte Unternehmen etwa 35 Kilogramm des Wurzelstocks. Der daraus gewonnene Pflanzenauszug schmeckt bitter und ist ein Bestandteil eines Arzneimittels, das die Verdauung anregt. So können beispielsweise im Urlaub landestypische Speisen - für den Magen oft ungewohnt - besser vertragen werden.

Der firmeneigene Heilpflanzengarten ist das Herz von Weleda. Auf 16 Hektar wachsen mehr als 200 verschiedene Pflanzenarten, die direkt nach der Ernte weiterverarbeitet werden (die "Ärzte Zeitung" berichtete). Der Heilpflanzengarten wird nach den Richtlinien des biologisch-dynamischen Anbaus bewirtschaftet. Er kann auch besichtigt werden. (ag)

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