Ärzte Zeitung, 27.09.2004

Umweltmedizin im Osten - vom Stiefkind zum Aushängeschild

Das Leipziger Umweltmedizinische Zentrum überzeugt mit der Einheit von Lehre, Weiterbildung, Forschung und Patientenberatung

LEIPZIG (dür). Umweltmedizin fristete zu DDR-Zeiten eher ein Schattendasein. Vor diesem Hintergrund ist beachtlich, daß das Umweltmedizinische Zentrum Leipzig (UMZ) in nur zehn Jahren auch international Anerkennung gefunden hat. Der Grund sind Langzeitstudien wie zum Beispiel die Leipziger Allergie-Risiko-Kinder-Studie.

Mit dieser Studie konnte das UMZ erstmals den Zusammenhang zwischen der Belastung von Kindern durch gasförmige Stoffe und Schimmelpilze in Innenräumen und dem Risiko, in späteren Jahren eine Allergie zu entwickeln, belegen.

Gründungspartner des Zentrums waren 1994 die Medizinische Fakultät der Universität Leipzig und die Sektion Expositionsforschung und Epidemiologie des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ). Als dritter Partner kam 2003 das Städtische Klinikum St. Georg, ein akademisches Lehrkrankenhaus der Universität, hinzu. Damit konnte eine Studienambulanz sowie eine umweltmedizinisch-pädiatrische Ambulanz in die Arbeit des UMZ integriert werden.

Schon seit längerem finden Erwachsene in der umweltmedizinischen Sprechstunde am Institut für klinische Immunologie und Transfusionsmedizin der Universität kompetente Ansprechpartner. Drei Ziele verfolgt das Leipziger Umweltmedizinzentrum seit seiner Gründung, sagt Professor Olaf Herbarth, UMZ-Direktionsmitglied und Leiter der Expositionsforschung und Epidemiologie am UFZ.

"Erstens wollten wir über die Medizinerausbildung an der Universität Leipzig und über die Weiterbildung von Ärzten die Umweltmedizin in Lehre und Weiterbildung einbinden, ein damals außergewöhnliches Herangehen." Zweitens habe man in der Forschung durch die Zusammenführung der klinischen Arbeiten der Universität und der Forschungsarbeiten des UFZ eine neue Qualität der Untersuchung von umweltbedingten Erkrankungen ermöglicht, so Herbarth.

"Drittens wollten wir durch umweltmedizinische Sprechstunden die Betreuung von Kindern und Erwachsenen verbessern." Auf allen drei Strecken sei das UMZ gut vorangekommen, sagt Herbarth. Ganz besonders freue es ihn, daß Umweltmedizin inzwischen in ganz Deutschland Prüfungsfach geworden ist.

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